Slowenien

Zungenbrecher, Drachenstadt und “die Geliebte”

Von
am
14. September 2017

Klein aber fein. Ohne viel Superlative und Schnickschnack. Nahezu schüchtern zeigt sich die Hauptstadt Sloweniens der Welt, die übersetzt “die Geliebte” heißt. Im Slowenischen gleicht der Namen nahezu einem Zungenbrecher – doch der Name “Ljubljana” (Bitte einmal nachsprechen!) sollte jedoch nicht davor abschrecken, dieses europäische Hauptstadt-Kleinod einmal zu besuchen. Ben und ich haben es jedenfalls getan.

Nicht nur der Titel zur Umweltstadt Europas 2016 hat unser Interesse an die Stadt geweckt, sondern auch einfach weil Ljbuljana und das ganze Land Slowenien als Reiseland doch noch recht unbekannt ist.

Dabei gibt es hier ganz viel an (Erd)geschichte, Natur und sogar etwas Mystik zu entdecken; denn der Wächter der “Geliebten” ist der “Ljubljanki Zmaj” – der “Laibacher Drachen”.

Drache von Ljubljana

Geologie von Slowenien…

Slowenien hat mehrere tausendmeter hohe Berge, geheimnisvolle Moore, weite Ebenen und eine etwa 46 km lange Küste an der Adria – und das alles in einem relativ kleinen Raum. Und so verhält es sich auch mit der Geologie.

Obwohl die heutige Landschaft von Slowenien hauptsächlich vor 10.000 Jahren durch Gletschern und der darauffolgenden Warmzeit geprägt wurde, sind die ältesten Gesteine Sloweniens mit einem Alter von 500 Millionen datiert. Einige Wissenschaftler gehen sogar von einem höheren Alter aus. Wir haben es hier letztendlich mit einer sehr großen Zeitspanne in dem doch recht kleinen europäischen Land zu tun.

…und Ljubljana

In Ljubljana beschränkt sich ihre geologische Vergangenheit zwischen 316,5 Millionen bis etwa 305 Millionen Jahren. Wir befinden uns hier im Westfalium, ein Zeitabschnitt des Erdzeitalters Karbon (ca. 359  – 299 Millionen Jahre). 

Das Karbon wird auch als das “Kohlezeitalter” bezeichnet. In dieser Zeit wurden durch das Ansteigen des Meeresspiegels weite Landflächen mit dichten Wäldern überflutet. So kam es zur Bildung von weitflächigen Kohlesümpfen. Zudem herrschte ein tropisches Klima, das sie Bildung der Kohlesümpfe noch förderte.

Wer sich für die Geologie im Raum Ljubljana interessiert, sollte die Standseilbahnstation zur Burg nehmen. Die Burg thront seit etwa 900 Jahren über die Stadt, doch erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden Funde von Pflanzenfossilien am Burghügel von Ljubljana entdeckt und beschrieben. Bei der oberen Standseilbahnstation erwartet einem eine kleine Museum zur geologischen und paläntologischen Geschichte von Ljubljana.

Hier wird die geologische Zusammensetzung des Faltengebirges von Posavje, zu denen auch der Burghügel gehört, anschaulich erklärt und dargestellt. Das Besondere im Museum sind die Pflanzenfossilien-Funde aus dem Oberkarbon und die dazu erhaltene Gesteinsschicht, in der die Fossilien Ende des 19. Jahrhunderts erstmalig gefunden wurden.

Der Burghügel ist der westlichste Fundort der paläozoischen Flora des Posavje-Faltengebirges und ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der euroamerikanischen Pflanzengemeinschaften im Oberkarbon sowie deren Verbreitung.

Zu den bedeutenden Fossilfunden, die im Museum ausgestellt sind, gehören baumartige Schachtelhalme (Calamites), Bärlapppflanzen (Lycopodiopsida), Samenfarne (Pteridospermae) und baumartige Samenpflanzen (Cordaites).

Der Eintritt in das Museum ist im Preis für die Standseilbahn inbegriffen.

Hier geht es zur Webseite vom Burg-Museum und Erlebnisthemen (auf Deutsch)

Unterwegs in Ljubljana

Einst ging durch die Stadt Ljubljana seine Hauptverkehrsader, die “Slovenska cesta”. Sie war über 2000 Jahre lang eine wichtige Verkehrsroute und verband in der Antike als Teil der Europäischen Bernsteinstraße den Mittelmeerraum mit dem Norden Europas.

Doch seit 2003 ist die “Slovenska cesta” nur für Fußgänger, Radfahrer und den Busverkehr freigegeben. Aber das ist nur einer der vielen Beispiele, dass in Ljubljana eine Mobilitätswende herrscht.

Strasse in Slowenien

Der beste Weg, die wilden und grünen Seiten von Ljubljana zu erkunden ist entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Wer kein eigenes Fahrrad besitzt, kann sich bei den unzähligen Hostels oder bei der Touristen-Information ein Fahrrad, die ich persönlich einfach Top finde, leihen.

Mein Tipp

Die Fahrrädern der Touristeninformation sind – wie schon gesagt – einfach Top! Das Fahrrad hat ein Korb am Lenker (seeeehr praktisch!!!) und sehr stabile Reifen (noch praktischer!!!). Diese haben sogar eine längere Fahrt auf Kieswegen ohne Probleme überstanden.

Eine weitere Möglichkeit ist es das Selfservice-Fahrradverleihsystem “BicikeLJ” zu nutzen. Diese City-Bikes stehen an automatischen Ausleihstationen. Um diese zu nutzen, muß man sich vorher auf der Webseite anmelden (Kreditkarte wird benötigt!).

Ist die Anmeldung erfolgt, kann es auch schon losgehen. Die erste Stunde ist dazu noch kostenlos.

Fahrrad

Doch was ist, wenn man nicht so gut per Fuß ist und kein Fahrrad fahren kann?

Kein Problem – für alle, die in ihrer eigenen Mobilität eingeschränkt sind, gibt es den “Kavalir”.

Taxi Ljubljana

Ein “Kavalir” ist ein Elektroauto und dient zur kostenlosen Beförderung von Personen innerhalb der Altstadt von Ljubljana. Die Fahrer halten dort an, wo man gerne hinmöchte, sofern der Haltepunkt sich nicht außerhalb vom Altstadtkern befindet.

Da diese Autos höchstens 25 km/h fahren, ist ein spontanes Zu- und Aussteigen während der Fahrt möglich.

Elektroauto

Wer ein eigenes Elektroauto besitzt, wird in Ljubljana nicht mit leeren Batterien dastehen. In gesamten Stadtgebiet von Ljubljana sind Ladestationen (s. Bild) zu finden.

Eine hilfreiche Karte mit allen aktuellen Ladestationen innerhalb von Ljubljana findest du hier.

Mestni park Tivoli (Tivoli-Park)

Wer lieber dem Getummel in der Altstadt entliehen möchte, empfehle ich den Tivoli-Park. Es ist die größte Parkanlage von Ljubljana, die dazu noch bis in die Stadtmitte hineinreicht. Diese Parkanlage ist ursprünglich eine Zusammenfügung von zwei Parkanlagen. Diese Idee stammt vom Ingenieur J. Blanchard, der zwei Parkanlagen im Jahre 1813 zusammenfügte.

Park Slowenien

Heute misst der Tivoli-Park eine Fläche von ungefähr 5 km². Gestaltet ist der Park mit Kastananienalleen und Blumenfeldern und durch zahlreiche Statuen und Brunnen ergänzt. Im Park findet man allerhand Spazierwege und sogar einen Trimm-Dich-Pfad, der vom Waldrand am Fuß des Berges “Šišenski hrib” bis über dem Berg verläuft.

Neben den vielen Pflanzen, kann man natürlich auch ein paar Tiere entdecken. Die Eichhörnchen sind wohl die auffälligsten Bewohner im Park. Sie sind recht zutraulich und essen auch mal Nüsse direkt aus der Hand.

Für den Kunstliebhaber bietet der Park regelmässige Kunstausstellungen im Freien an, die auf dem gut ausgebauten Hauptwegen im Park gezeigt werden.

Botanischer Garten und Arboretum

Wem der Tivoli-Park nicht grün genug ist, der sollte den Botanischen Garten und das Arboretum besuchen. Der Botanische Garten befindet sich am südlichen Ende des Burghügels, auf dem die Burg von Ljubljana zu finden ist.

Von seiner schönsten Seite zeigt sich der Botanische Garten im Frühjahr und im Herbst, wenn eine herrliche Blüten- und Blätterpracht im Garten zu sehen ist. Doch eigentlich ist zu jeder Jahreszeit der Botanische Garten ein Besuch wert.

Blume

Der Botanische Garten wurde bereits 1810 gegründet und zählt damit zu den ältesten Botanischen Gärten in Europa. Er umfasst eine Sammlung von 4.500 Pflanzenarten und -unterarten, wovon ein Drittel der heutigen Pflanzenwelt von Slowenien gezeigt wird. Die restlichen zwei Drittel sind Pflanzen aus Europa und den anderen Kontinenten.

Für die slowenische Pflanzenwelt spielt der Botanische Garten eine entscheidende Rolle, da hier wissenschaftliche Arbeit und Forschung betrieben wird. Auch bietet man hier ein breites pädagogisches Programm für Schulklassen an.

Direkt südlich vom Botanischen Garten befindet sich das Arboretum “Volčji Potok”. Es ist etwa 80 Hektar groß und zeigt rund 2.500 Arten und Sorten an Bäumen und Sträuchern. Die Pflanzensammlung ist in einem landschaftlichen Stil angelegt und hier sind gut erhaltene und seltene Pflanzengesellschaften zu beobachten.

Das Arboretum “Volčji Potok” wurde 1952 von der Universität in Ljubljana gegründet, davor befand es sich im privaten Besitz. Die Besitzer gestalteten mehrere Parkflächen um das barocke Schloss, das im 2. Weltkrieg völlig zerstört wurde. Die erhaltenen Parkanlagen erklärte man dann 1950 zum Kultur- und Naturerbe mit nationaler Bedeutung.

Ljubljansko barje (“Laibacher Moor”)

Im Südwesten von Ljubljana liegt eine Moorgebiet mit einer Fläche von etwa 160 km². Nach der letzten Eiszeit bildeten sich durch den Rückgang der Gletscher im heutigen Moorgebiet ein See, der vor 3500 Jahren austrocknete. Dennoch waren weite Bereiche sumpfig geblieben. Das Moor ist entstanden.

Moor bei Ljubljana

Innerhalb des Moores befindet sich ein Natura-2000-Gebiet (ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU) und ein Landschaftsschutzpark.

Innerhalb dieses Landschaftsschutzparkes befinden sich einige Naturdenkmäler und Naturschutzreservate, darunter das bekannte Iški morost (“Iška-Moor”). Das ist ein Gebiet, das speziell für den Wachtelkönig (Crex crex), der einzigen europäischen Rallenart, eingerichtet wurde.

Den größten Teil des Moorgebietes kann man per Fuß oder sogar per Rad erkunden, denn die Wege sind gut ausgebaut, so dass man nicht befürchten muss, nasse Füsse zu bekommen oder irgendwo ganz im Moor zu versinken.

Ich habe mit Ben eine Fahrradtour durch den östlichen Teil des Moores gemacht. Den Bericht kannst du demnächst hier lesen.

Die Grüne Hauptstadt

Seit der Gründung des Staates im Jahre 1991, hat sich Slowenien zu einer richtigen Umwelt- und Naturschutzperle innerhalb von Europa entwickelt. Neben der autofreien Altstadt, vielen Ladestationen für Elektroautos und die Möglichkeit überall mit dem Fahrrad hinzukommen, ist strikte Mülltrennung und auch sanfter Tourismus ebenfalls ein großes Thema.

Umwelthauptstadt

Diese und viele weitere “grüne” Maßnahmen haben dazu geführt, das Ljubljana 2016 zur Grünen Hauptstadt (auch: Umwelthauptstadt) Europas gewählt wurde. Die Europäische Komission verleiht diesen Preis seit 2010. Ljubljana kann sich jetzt zu den bisherigen Gewinnern wie z.B. Stockholm, Hamburg und Kopenhagen einreihen.

Der Preis dient dazu bewährte Maßnahmen in Sachen Umwelt- und Naturschutz in Städten zu fördern. Zudem kann es Vorbild für andere Städte sein, doch letztendlich ist es auch schön zu sehen, wie die Slowenen ihre grüne Maßnahmen aktiv (aus)leben.

Das sollte ein Vorbild für uns alle sein.


Weitere Quellen und interessante Links

Hier findest du einiges an Lesestoff über Slowenien und seine Hauptstadt:


Warst du schon einmal in Ljubljana? Wie wirkte die Stadt auf dich? Was hast du dort unternommen? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

STICHWORTE

HINTERLASSE EIN KOMMENTAR

Ich akzeptiere die Datenschutzbedinungen

Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

Mein Senf
Brrr. kalt. Oder noch zu warm für den Herbst?!