Harzfenster
HWN-Challenge

8. HWN-Tour: Von Osterode nach Clausthal-Zellerfeld

Von
am
6. Juli 2017

“Betrachtet das Erwachen des Frühlings und das Erscheinen der Morgenröte!
Die Schönheit offenbart sich denjenigen, die betrachten.”
– Khilal Gibran (1883 – 1931), libanesisch-amerikanischer Maler, Philosoph und Dichter

Es ist kurz nach 9 Uhr. Ich hatte gut und reichlich in meinem Hotel gefrühstückt und mache mich nun auf dem Weg, den 2. Tag meiner 2-Tages-Wandertour im Harz zu vollenden.

Um den ersten Wanderstempel zu erreichen, muss ich erstmal durch die Stadt Osterode gehen. Die Sonne scheint und verspricht einen warmen Frühlingstag. Es sind keine weitere Menschen unterwegs. Osterode habe ich jetzt für mich alleine. Ich mag dieses Gefühl und genieße die Ruhe, die von der Stadt an diesem Morgen ausgestrahlt wird.

Die “Söse”

Ich orientiere mich an der Söse”. Sie ist ein ungefähr 38 km langer Fluss, der durch den Westharz fließt. Eigentlich ist sie ein Gebirgsfluss, doch dank einer Staumauer ist sie gezähmt worden und fließt daher eher ruhig und leise durch die Stadt Osterode. Sehr niedrig und leise plätschert sie zurzeit dahin, als ich von einer Brücke ins Flussbett blicke.

Ich folge dem Verlauf des Baches westwärts. Erst bei einem Kreisverkehr wechsel ich die Seite und folge der “Scherenberger Straße”, die mich zum offiziellen Eingang des Harzer-Hexen-Stiegs führt.

Söse

Der Harzer-Hexen-Stieg

Ich bin bereits ein paar Male abschnittsweise auf dem Harzer-Hexen-Stieg gewandert. Doch heute wird er mein Hauptwanderweg sein. Zumal liegen einige Stempelstellen der Harzer Wandernadel auf der Strecke, die ich gerne haben möchte.

Harzer Hexenstieg

Seit 2003 ist der Harzer-Hexen-Stieg ein knapp 100 km langer Wanderweg, der von Osterode durch den Harz über den Brocken nach Thale führt.

Der Name des Wanderweges leitet sich davon ab, dass außer dem Brocken und dem Hexentanzplatz in Thale auch weitere mystische Stätte erwandert werden können. Vom offiziellen Eingang des Harzer-Hexen-Stieges geht es auf dem “Hundscher Weg” hinauf auf dem Butterberg.

Auf dem Butterberg zum Eselsplatz

“Der Hundscher Weg” ist ein Aufstieg von Osterode zur Clausthaler Hochfläche. Er war bis ins Hochmittelalter die Verbindung zwischen Osterode und Harzburg. Der Weg diente als Heerstraße zur Harzburg, als Versorgungs- und Transportstraße.

In Osterode wurde das Getreide für die Bergleute im Harz gespeichert. Von hier aus zogen tagtäglich Eselskarawanen über den “Hundscher Weg” nach Clausthal, um die Bergleute mit Lebensmitteln zu versorgen.

Zoe und Kiepenfrau

Ich mache eine kleine Rast auf einer “Erlebnisinsel”. Die Erlebnisinseln sind eine Reihe von insgesamt 12 Installationen am Harzer-Hexen-Stieg, die dem Wanderer zum Verweilen und zum Mitmachen verleiten.

Neben mir sitzt eine Holzskulptur einer Kiepenfrau. Diese Frauen haben vom 16. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein mit ihren Kiepen verschiedene Waren zwischen den Orten im Oberharz transportiert.

Eine “Kiepe” ist ein hoher Korb, der wie ein Rucksack getragen wird. Eine volle Kiepe wog bis zu 40 Kilogramm! Wer möchte, kann bei dieser “Erlebnisinsel” eine Kiepe mal anheben.

Bald erklimme ich die erste Bergkuppe. Die Köte auf dem Eselplatz ist jetzt nicht mehr weit. Diese Köte ist ein beliebtes Ziel, nicht nur weil hier sowohl eine Stempelstelle als auch ein Rastplatz ist, sondern weil der Eselplatz auch ein Knotenpunkt für verschiedene Wanderwege ist.

Ameisen auf dem Höhenweg

Nach einer kurzen Rast geht meine Wanderung auf dem “Hundscher Weg” weiter. Da der Weg recht gut ausgeschildert ist, kann ich meine Gedanken treiben lassen, ohne auf dem Weg achten zu müssen.

Da fällt mir am Wegesrand ein kleiner Hügel auf, auf dem sich etwas bewegt. Es ist ein Ameisenhügel mit tausenden von Ameisen darauf. Es sind rote Waldameisen (Formica sp.), die eifrig auf ihrem Nest krabbeln. Ihr Nest besteht meist aus Baumnadeln, Blätter, kleine Zweige sowie Moos und Gras, die die Ameisen dafür zusammengetragen haben. Auch während ich die Tiere beobachte, sind sie emsig dabei, allerhand Dinge zu ihrem Hügel zu tragen.

Waldameisen

Rote Waldameisen sind geschützte Tiere. Nicht nur weil ihr Bestand bedroht ist, sondern auch weil sie sehr nützliche Tiere für das Ökosystem Wald sind. Zudem dienen sie für Vögel als Nahrungsquelle sowie auch als “Ameisenbad”.

Bei diesem “Bad” setzt sich der Vogel mit ausgebreiteten Flügeln auf die Ameisen. Diese wollen ihr Volk beschützen und besprühen daher den Vogel mit Ameisensäure. Diese Säure hilft dem Vogel sich von anderen Ungeziefern zu befreien.

Ich verzichte lieber auf diese Form von Chemiekeule und entferne mich wieder vom Nest und setze meinen Weg fort.

Harzer Wald

Dem Harzer-Hexen-Stieg weiter folgend, befinde ich mit nun auf dem Hochweg „Roten Sohle“. Dieser Weg für mich weiter auf dem Harzer-Hexen-Stieg mit einigen Ausblicken zum Dorf Lerbach, das im Tal links von mir liegt.

Die Geologie vom Acker

Ich erreiche, ohne weitere besonderen Vorkommnissen, mein nächstes Etappenziel: den “Ackerblick”. Er ist keine Stempelstelle, sondern ein Aussichtspunkt zum Gebirgskamm “Auf dem Acker” (kurz: “Acker”). Ein Familie war schneller als ich und macht sich auf der einzigen Sitzbank bequem.

Ackerblick

Ich genieße folglich im Stehen die Aussicht. Der Bergkamm “Acker” besteht aus mehreren Klippen und Felsen, die wiederum aus dem “Acker-Bruchberg-Quarzit” bestehen. Das ist ein Quarzitsandstein, der eine leicht rötliche Färbung aufweist und sehr widerstandsfähig ist.

Mit dem Ackerblick habe ich eine der wenigen Anhöhen meiner Wandertour erreicht. Mein Weg führt mich von hier aus weiter in Richtung “Buntenbock”, das bereits ein Ortsteil von Clausthal-Zellerfeld ist. Der Weg dorthin weisst kaum Steigungen auf. Das gefällt mir.

Ein Gruppe von Steinmännchen

Auf dem Weg zur nächsten Stempelstelle “Braunseck” wandere ich weiter auf dem Harzer-Hexen-Stieg, der nun durch einen Buchen- und Fichtenwald führt. Eigentlich ist es jetzt eine etwas längere Strecke bis zur nächsten Stempelstelle, doch eine Gruppe von “Steinmännchen” hat mein Interesse geweckt.

Steinmännchen

“Steinmännchen” sind einfach aufeinander gestapelte Steine in Form von kleinen Türmen. Sie sind auch als “Steinmänner”, “Steinmanderl” oder als “Steindauben” bekannt. Sie sind eine Form der Wegmarkierung, die weltweit von Wanderer benutzt wird. Ich bin in Deutschland und in anderen Ländern bereits solchen Steinmännchen begegnet. Aber nur selten bin ich auf eine so große Anzahl gestoßen.

Diese Steinmännchen bestehen aus dem umliegenden Gesteinen, die zur “Clausthaler-Kulmfaltenzone” gehören. Dies ist eine geologische Einheit innerhalb vom Oberharz und besteht aus Grauwacken, Kiesel- und Tonschiefern.

Ich folge dieser Wandertradition und hebe ein paar kleine Gesteinsbrocken vom Boden auf und baue ein kleines Türmchen, das den Weg für zukünftige Wanderer weisen soll.

Verlaufen?! Kein Drama!

Eigentlich passiert dies sehr sehr selten auf meinen Wanderungen, aber es ist passiert. Ich hab mich verlaufen. Aber nicht so richtig. Ich bin an einer Stempelstelle angekommen. Nur ist es die Falsche! Statt der Stempelstelle “Braunseck”, bin ich beim “Bärenbrucher Teich” gelandet”.

Bärenbrucher Teich Blick

Dies ist aber keine Katastrophe. Immerhin habe ich ja jetzt einen Stempel in meinem Heft. Zudem habe ich doch noch Glück im Unglück. Ein älters Wanderpaar, ebenfalls Stempelsammler, kehren zur Schutzhütte der Stempelstelle ein. Ich sehe, das beide eine Wanderkarte in den Händen halten.

Freundlich frage ich sie, ob ich sie mir kurz ausleihen darf, da ich die Stempelstelle “Braunseck” wohl übersehen habe. Ohne zu zögern bekomme ich die Karte in die Hand gedrückt und der ältere Herr zeigte mir sogar, wo die gesuchte Stempelstelle sei. Mit einem großen Dank ging es erstmal in Richtung “Braunseck.” Das ist eine kleine Planänderung meiner Tour aber keine dramatische.

Ich stelle fest, das nur an einer Ecke eine Beschilderung für “Braunseck” vorhanden ist. Kein Wunder, das ich dann falsch gelaufen bin. Einmal übersehen und zack – man kommt woanders an.

Bärenbrucher Teich

Da ich nun den Weg etwas zurückgehen muss, kann ich mir nochmals den “Bärenbrucher Teich” genauer anschauen. Bei der Schutzhütte der Stempelstelle ist ein Informationsschild aufgestellt worden, das über die Oberharzer Wasserregale aufklärt. Der “Bärenbrucher Teich” gehört zu diesen Wasserregalen und war ein ehemaliger Bergbauteich. Heute gehört er zum UNESCO-Welterbe.

Der “Bärenbrucher Teich” ist wohl ein beliebtes Ausflugsziel. Hier ist heute auch wirklich was los. Wanderer und Fahrradfahrer, Kinder und Erwachsene tummeln sich am Beckenrand.

Ich gehe nun ein Teil meines Wanderwegs zurück, bis ich die dritte Kreuzung erreiche. Dort biege ich nach links ab und komme (endlich!!!) zur Stempelstelle “Braunseck”.

Der “Bahnhof” Braunseck, Entensumpf und Innerste Ursprung

Der Wegkreuzung bei der Stempelstelle “Braunseck” wird von den Einheimischen „Buntenbocker Bahnhof“ genannt, doch Spuren einer Bahnlinie oder eines -gebäudes kann man nicht mehr entdecken. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts plante man hier eine Eisenbahnlinie zwischen Buntenbock und anderen Orten im Harz zu erschließen. Erste Arbeiten an der Strecke wie Schneisen in den Wald schlagen wurden bereits durchgeführt. Doch der 1. Weltkrieg beendete die Arbeiten an der Bahnstrecke und wurden nach Ende des Krieges nicht wieder aufgenommen.

Der Stempel ist ins Heft gedrückt und damit habe ich für heute genug Stempel gesammelt. Ich überlege noch, ob ich mir die “Huttaler Widerwaage” hole. Schließlich lasse ich es sein. Es ist schon spät am Nachmittag und ich möchte vor der Dunkelheit Clausthal-Zellerfeld erreichen.

Auf dem “Kehrzug”, der mich zur B242 führt, komme ich am “Entensumpf” und an der Quelle der “Innerste” vorbei. Die “Innerste” ist ein Nebenfluss der “Leine” in Niedersachsen. Bereits nach wenigen Metern, fließt die “Innerste” in den “Entensumpf”, einen Bergleuten angelegten Stauteich, der ursprünglich der Trinkwasserversorgung Clausthals diente.

Quelle der Innerste

Vorbei am Waldparkplatz und über die B242 gelange ich zum nächsten ehemaligen Bergbauteich: der “Hirschler Teich”. Seine Aufgabe war einst Wasser für den Antrieb von Wasserräder der hochgelegenen Erzgruben “Dorothea” und “Caroline” zu speichern.

Heute ist er Trinkwasserspeicher für die Stadt Clausthal-Zellerfeld. Da der “Hirschler Teich” zu dem “Oberharzer Wasserregal” gehört, steht dieser unter Denkmalschutz.

Clausthal-Zellerfeld und Heimfahrt

Vom Hirschler Teich führt ein kleiner Pfad parallel zur Bundesstraße in die Stadt Clausthal-Zellerfeld hinein. Clausthal-Zellerfeld ist Berg- und Universitätsstadt. Sie wird wegen des Höhenklimas und der klaren Luft sehr geschätzt. Zudem ist sie ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Pfad nach Clausthal-Zellerfeld

Als ich Stadtgrenze erreiche, überlege ich ob ich den Bus nehmen oder ich den Weg bis zum ZOB weitergehen sollte. Ich bin jetzt ziemlich müde und meine Beine brauche auch eine Pause. In der Ferne sehe ich eine Bushaltestelle. Okay, bis dahin und nicht weiter.

Von der “Andreasberger Straße” fährt mich ein Bus, auf dem ich nicht lange warten muss, bis zum ZOB.

Beim ZOB wird aber meine Geduld auf die Probe gestellt. Denn es dauert eine Weile bis ein Bus kam, der mich nach Goslar zum Bahnhof brachte. Immerhin konnte ich meine vorab geplanten Zugverbindung ohne Probleme wahrnehmen.

Sonneuntergang am Harz

Aus dem Zugfenster sehe ich einen wunderschönen Sonnenuntergang. Damit schließe ich diese Wanderung und damit auch meine 2-Tagestour ab.

Man sollte ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Das ist hiermit geschehen.

Punkt.

Mein Fazit

Eine schöne Wanderung, die hauptsächlich auf Waldwegen erfolgt. Die Stempelstellen sind interessante Zielpunkte und auch darüber hinaus findet man viele schöne Aussichtspunkte vor, die einem zum Verweilen einladen.  Auch die “Erlebnisinseln” am Anfang des Aufstieges werten die Wanderung auf.

Mit Ausnahme “Braunseck” war die Beschilderung gut bis sehr gut.


Steckbrief: 8. HWN-Tour – Von Osterode nach Clausthal-Zellerfeld

Karte

Die Wandertour wurde mit Hilfe von Komoot nachgezeichnet.

 Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

  • Bahn: Regionalbahn fährt von Braunschweig über Seesen direkt nach Osterode am Harz Mitte oder Osterode am Harz
  • Fernbus: von z.B. Hamburg, Hannover, Hildesheim, Jena, Coburg und sogar München fahren Busse direkt nach Osterode

Aufgesuchte Stempelstellen


Quellen und lesenswerte Links

Hier findest du einiges an zusätzlichen Informationen bezüglich der 8. HWN-Tour:


Warst du schon einmal auf dem Hexenstieg? Wo warst du da unterwegs? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

STICHWORTE
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2 Kommentare
  1. Antworten

    Ede

    7. Juli 2017

    Hi Zoe,
    Deine Tour ist sehr schön und ausführlich beschrieben. 50 Touren zusammengefasst und an ein Lektorat geschickt, ergibt bestimmt einen schönen Wanderführer… Mach weiter so, dass Du Spass hast, kann man schön herauslesen

    • Antworten

      Zoe

      7. Juli 2017

      Lieber Ede, vielen Dank für das Feedback. Es ist schön zu erfahren, wie eigentlich meine Texte auf andere wirken.

      An einem Wanderführer habe ich noch nicht gedacht, aber wer weiß. Wenn ich den Wanderkaiser in der Tasche habe, kann ich es mir nochmal überlegen.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

Mein Senf
Brrr. kalt. Oder noch zu warm für den Herbst?!