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Der rote Diamant von Helgoland: Roter Feuerstein

Von
am
31. August 2022

„Ein Diamant ist auch nur ein Stein.“

© Martina Pfannenschmidt (*1957)

Während man an der Ostsee- und Nordseeküste massenweise den schwarzen Feuerstein findet, liegt auf Helgoland ein besonderer Feuerstein vor: Es ist der rote Feuerstein und nach heutigem Stand der Wissenschaft kann man nur dort diesen besonderen Feuerstein finden.

Was ist Feuerstein?

Feuerstein ist ein Gestein, das nahezu aus Siliciumdioxid (Chemische Formel: SiO²) besteht. Hierbei bildete das SiO² keine Einzelkristalle, sondern dank der mikrokristallinen Struktur eine eher einheitliche Masse („amorph”).

Namensherkunft

Mit Feuerstein kann man tatsächlich Feuer machen. Bereits in der Steinzeit hat man mit dem Feuerstein ein Feuer entfachen können. Dazu brauchte man einen Feuerstein, ein eisenhaltiges Gestein wie z. B. Pyrit oder Markasit und etwas trockenen Zunderschwamm, ein getrockneter Baumpilz.


Steinzeitliches Feuerzeug: Eine Ledertasche mit Pyrit, Feuerstein und getrockneten Zunderschwamm


Der Chemiker Martin Heinrich Klaproth (1743 – 1817) nannte aufgrund der besonderen Eigenschaft den Feuerstein auch „Lapis Pyromachus” (deutsch: der feuermachende Stein). Der Name des Roten Feuersteins beruht einfach auf die Tatsachen, das sein Kern eine rote Farbe.

Synonyme

Roter Flint, Helgoländer Flint, Helgoländer Feuerstein, Roter Diamant von Helgoland

Eigenschaften

  • Mohs’sche Härteskala

Nach der Mohs’schen Härteskala hat der Feuerstein eine Härte von 6,5 bis 7 und ist damit fast genauso hart wie ein Quarz

  • Farbe

Der rote Feuersteinkern kann ein Farbspektrum zwischen rosa, rot, burgund und rotbraun haben. Das rote Farbspektrum ist sehr vielfältig. Wobei der Fundort als wichtiges Kriterium gilt, um den Feuerstein als eindeutigen Roten Feuerstein zu identifizieren. Denn Farbvariaten gibt es auch bei Feuersteinen an der Nordsee- und Ostseeküste, wobei diese Färbungen erst nach der Bildung des Feuersteins entstanden sind und nicht primär im Kern, wie es beim Roten Feuerstein der Fall ist.

  • Form

Die Formgebung ist sehr variabel. Von plattig bis klobig ist alles dabei. Hier kann der Feuerstein auch Formen annehmen, die Fossilien recht ähnlich aussehen.

  • Bruch

Bei mechanischer Beanspruchung kann die Bruchstelle beim Feuerstein einer Muschelklappe sehr ähnlich aussehen, daher bezeichnet man diese Art von Bruch auch als muscheligen Bruch. Bei allen amorphen Gesteinen ist diese Art von Bruch zu erkennen.

Entstehungszeit

Dank vieler Fossilienfunde im Roten Feuerstein kann man den zeitlichen Rahmen der Entstehung des Roten Feuersteins ausmachen. Er entstand in der Kreide (vor 145 – 66 Millionen Jahre), genauer gesagt in den Unterstufen Mittel- bis Ober-Turon der Zeitstufe Turon (vor 89,7 Millionen – 93,9 Millionen Jahre).



Entstehungsort

Wie alle anderen Feuersteine entstand auch der rote Feuerstein aus aufgelösten Resten von marinen Kieseltierchen. Diese Tiere bildeten Silikathaltige Skelette, die nach dem Tod sich auflösten und ein Kieselgel bzw. eine Kieselsäure bildeten, das sich am Grund des Meeres ablagerte.

Jedoch ist noch nicht vollständig geklärt, wie sich Feuersteinlagen in den kreidezeitlichen Kalkgestein bilden konnte. Und warum es auch nur auf Helgoland den roten Feuerstein gibt, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Man vermutet, dass die rote Farbe primär im Feuerstein entstanden ist und nicht erst nach seiner Bildung sekundär in das Gestein eingedrungen ist. Solche sekundäre Verfärbungen kann man an vielen Feuersteinen entlang der Ostsee- und Nordseeküsten finden. Hierbei hat das Gestein statt der üblichen blaugrauen bis grauschwarzen Farbe, eine eher rostbraune Farbe

Es mussten also lokal bei Helgoland besondere Bildungsprozesse stattgefunden haben, so das Eisen bereits in der Anfangsphase der Bildung sich bereits im Kern des Feuersteins abgesetzt hatte.

Fundort

Der Rote Feuerstein kann noch heutzutage überall an den Stränden der „Düne” (Nebeninsel von Helgoland) gefunden werden. Vor allem an der Aade, der langgezogene Geröllstrand im Osten der Insel, findet man noch am ehesten den roten Feuerstein.


Geröllstrand der Aade


Wirtschaftliche Bedeutung

Da der Rote Feuerstein weltweit nur auf  Helgoland gefunden werden kann, wurde er aufgrund seiner Seltenheit als „Roter Diamant” bezeichnet. Wegen seiner auffallenden Farbe wird er zu Schmuck verarbeitet und auf Helgoland verkauft. Es können aber auch unverarbeitete Stücke oder teils angeschliffene Gesteine käuflich erworben werden.

Fossilien

Mit etwas Glück findet man auch Fossilien im roten Feuerstein. Dazu gehören vor allem Seeigel-Funde.

Tipps zum Sammeln von Roten Feuerstein

  • Roten Feuerstein findet man nur auf „Düne”, die Nebeninsel von Helgoland, es führt also kein Weg daran vorbei, wenn man selbst nach diesem Gestein suchen will
  • Am Strand bitte keinen Feuerstein mit einem Hammer aufschlagen. Das ist verboten! Grund: Es dauert Jahrzehnte bis die Ostsee die scharfen Kanten des Gesteins wieder geglättet hat. Zudem können sich an dem Gestein Tiere wie z. B. Kegelrobben und Seehunde verletzten.
  • Am langgezogenen Geröllstrand der Aade findest du am ehesten einen roten Feuerstein. Viele Stücke sind häufig aufgeschlagen und zeigen ihren roten Kern
  • Bei Nässe schimmert oft der rote Kern durch die schwarz Gestein hindurch. Daher am besten nach einem Regenschauer suchen oder direkt an der Kante zwischen Wasser und Strand entlang suchen

Quellen und lesenswerte Links

Hier kannst du noch einiges über den „Roten Diamant von Helgoland” lesen:

Die Links wurden zuletzt am 12.09.2022 abgerufen


Hast du schon bereits einen roten Feuerstein auf der „Düne” gefunden? Vielleicht sogar mit einem Fossil? 

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin Zoe - eine naturverrückte diplomierte Gestein- und Fossilienliebhaberin, die das Wandern nicht lassen kann. Per Fuß oder per Rad. Hauptsache draußen und Natur entdecken und ja - Steine gehören bei mir einfach dazu. Ich freue mich auf einen regen Austausch, Ideen und Kommentare. Liebe Grüße, Zoe

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Headerbild September 2022: Blick auf die “Lange Anna”, Helgoland, August 2022

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