Geltinger Birk – Halbinsel zwischen Ostsee und Geltinger Noor
„Tritt hinaus ins Licht der Dinge, lass die Natur deine Lehrerin sein“
© William Wordsworth (*), englischer Dichter und Mitbegründer der englischen Romantik
Im April 2026 habe ich mir eine kleine Auszeit genommen und ein paar Tage an der Schlei verbracht. Dabei habe ich nicht nur den Naturpark Schlei selbst erkundet, sondern auch ein Gebiet nördlich davon, das ich schon wirklich sehr lange auf meiner Muss-ich-mal-besuchen-To-Do-Liste hatte: die Geltinger Birk
Inhaltsverzeichnis
Was ist die Geltinger Birk?
Beim Geltinger Birk handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, das direkt an der Flensburger Förde liegt. Dieses Küstenbiotop umfasst eine Größe von etwa 773 Hektar und ist vor allem durch seine Landschaftspfleger, Galloway-Rinder und wilden Konik-Pferde bekannt. Aber auch als Vogelbeobachtungsgebiet ist die Geltinger Birk durchaus beliebt.
Namensherkunft
Die Namensherkunft kann man bis ins Jahr 1494 zurückverfolgen, wo der nördliche Teil der Halbinsel als Barkoe und 1519 dann als Berckoe bezeichnet wurde. Vermutlich geht der Name auf das dänische Birk für Birke und das ø für Insel zurück. Laut der daraus folgenden Übersetzung „Birkeninsel” lässt sich schließen, dass damals die Geltinger Birk tatsächlich eine Insel war.
Geologie und Geographie der Geltinger Birk
- Eiszeit
Der Ursprung des Geltinger Birk liegt in der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit). Hierbei haben sich drei vergleichsweise schwach ausgeprägte und mittlerweile auch nur in Teilen erhaltene Randmoränenzüge gebildet, die schräg über die Halbinsel verlaufen und das Fundament für die weitere Entwicklung des Geltinger Birk legte. Dabei verlief einer der nördlichsten Moränenzüge vom Düttebüller Steilufer über Nieby bis Beverö und bildete eine frühe Küstenlinie.
- Postglaziale Zeit
Nach der letzten Eiszeit begann der Meeresspiegel der Ostsee wieder zu steigen und aus Beverö bildet sich eine Insel. Parallel dazu gab es Abrasion und küstenparallelen Transport auf der Ostseite und so entstand nach und nach der erste Strandwall. Stellenweise kann man bei Nieby und auf Beverö die fossilen Kliffs erhalten.
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Vom Strandwall zur Halbinsel
Die Meeresströmungen begannen, Sand von der südlich gelegenen Steilküste bei Falshöft abzutragen. Anschließend wurde das Material in nördlicher Richtung weitertransportiert. Nach etwa zwei Kilometern lagerte sich das Material in langen, fächerförmigen Strandwällen ab, die mit der Zeit nach Westen größer wurden. So wurde der Beveröer Noor gebildet, ein Strandsee, der vom offenen Meer abgetrennt wurde. Beveroe war zu der Zeit noch eine Insel, die vor der Küste Geltings lag. Die erste natürliche Verbindung zwischen Insel und Gelting – ein Strandwallfächer – entstand erst Mitte des 17. Jahrhunderts.
- Einfluss des Menschen
Bereits Ende des 16. Jahrhunderts hat man versucht die Noore (niederdeutsch „Strandsee“) einzudeichen, um nach der Entwässerung sie landwirtschaftlich zu nutzen. Doch erst 1824 gelang es; mit dem Bau eines Deiches, der entlang der Nordost-Seite des Geltinger Noores verlief. Der Deich trennte das Basrotter und das Beveroeer Noor vollständig vom offenen Meer ab. Das Wasser wurde damals von zwei Windmühlen (eine der beiden Mühlen war Mühle Charlotte, die heute noch steht), abgepumpt in die Ostsee und so wieder das Gebiet trocken gelegt. Der Wasserstand lag bis zu 3, 5 Meter unter NN, was dazu führte, das der Beveroeer Noor in den 1980er Jahren schließlich völlig verschwand.
- Heutige Entwicklung und Schutzmaßnahmen
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Geltinger Birk, da sie bereits eine Bedeutung für Zugvögel hatte, als schutzwürdig erachtet. Der Nordöstliche Teil der Birk wurde dann schließlich 1934 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im Verlauf der Zeit wurde das Gebiet stetig erweitert und umfasst heutzutage etwa 773 Hektar.
Um die ursprünglichen, küstentypischen Lebensräume auf der Geltinger Birk zu fördern, wird seit 2009 Maßnahmen der Wiedervernässung durchgeführt, wobei der Wasserstand auf bis -1 Meter unter NN angehoben wird.
Lebensräume auf der Geltinger Birk
Folgende Lebensräume sind auf der Geltinger Birk vorhanden:
- Weite ungestörte Strände, Lagunen und Salzwiesen mit hoher Dynamik
- gezielt gesteuerte Einstau- und Vernässungsflächen
- Küstenwälder
- Steilküsten
- ein ausgedehnter Strandwallfächer mit Heiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen und eingeschlossenen Nieder- und Übergangsmooren
Allgemein ist zu sagen, dass die Geltinger Birk durch eine außerordentliche Vielfalt unterschiedlichster Standorte auszeichnet. Sie bietet daher einen Lebensraum für außergewöhnlich viele seltene Tier- und Pflanzenarten, wie es sonst in Schleswig-Holstein kaum noch anzutreffen ist.
Fauna der Geltinger Birk
Die Fauna ist auf der Geltinger Birk sehr vielfältig. Da nicht jede einzelne Art vorgestellt werden kann, werden hier nur Tier oder Tiergruppen vorgestellt, die eine besondere Bedeutung für das Naturschutzgebiet haben:
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Kreuzkröte (Epidalea calamita)
Einst war die Kreuzkröte auf dem Geltinger Birk heimisch gewesen, denn die feuchten Dünentäler bieten ideale Lebensbedingungen. Allerdings wurde die letzte ihrer Art war im Mai 1979 gesichtet, denn der Mensch hatte zunehmen diese Tierart verdrängt. Seit 2006 wurden allerdings tausende von Jungtieren in Gewässern der Geltinger Birk ausgesetzt um die Wiederansiedlung zu sichern.
Die Kreuzkröte bevorzugt offene, vegetationsarme, sandige Lebensräume mit flachen, temporären Gewässern – genau solche Bedingungen bietet die Geltinger Birk früher durch ihre Strandwall- und Dünentäler. Weil die Kreuzkröte auf diese dynamischen und offenen Küstenlandschaften angewiesen ist, gilt sie als typische Pionierart.
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Vögel
Vögel gehören zu den Tiergruppen, die man im Geltinger Birk am häufigsten beobachten kann. Vor allem Küsten- und Wiesenvögel wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Rotschenkel (Tringa totanus), Uferschnepfe (Limosa limosa), Austernfischer (Haematopus ostralegus), Brandgans (Tadorna tadorna) und Graugans (Anser anser) das Bild.
In den offenen Landschaftsbereichen treten regelmäßig Schafstelze (Motacilla flava), Wiesenpieper (Anthus pratensis) und Feldlerche (Alauda arvensis) auf. Die wiedervernässten Zonen und Gewässer beherbergen Arten wie Höckerschwan (Cygnus olor), Reiherente (Aythya fuligula), Stockente (Anas platyrhynchos), Blässhuhn (Fulica atra) und Graureiher (Ardea cinerea).
Über den weiten Flächen jagen Greifvögel wie z. B. Seeadler (Haliaeetus albicilla), Rotmilan (Milvus milvus), Turmfalke (Falco tinnunculus) und Rohrweihe (Circus aeruginosus).
Während der Zeit des Vogelzug rasten große Gruppen von Kranichen (Grus grus), Nonnengänsen (Branta leucopsis), Goldregenpfeifern (Pluvialis apricaria) und Bekassinen (Gallinago gallinago). Ergänzt wird das Artenspektrum durch Wintergäste wie Raubwürger (Lanius excubitor), Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola) und Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta).
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Koniks und Galloways
Das Konik ist eine Ponyrasse aus dem mittel- und osteuropäischen Raum. Sie gelten als die Nachfahren des Tarpan, ein europäisches Wildpferd. Seit den 1980er Jahren werden in der Niederlande die Koniks für Naturschutzzwecke gezüchtet. Die Züchtung ist so erfolgreich gewesen, dass einige Tiere an andere Länder abgegeben werden musste. So kamen auch einige Koniks auf die Geltinger Birk. Die erste Gruppe von Koniks wurden 2002 auf der Geltinger Birk freigelassen. 2006 kam eine weitere Gruppe hinzu. Seitdem leben sie über das ganze Jahr auf der Geltinger Birk und sorgen als natürliche Landschaftspfleger, dass die Birk nicht von Pflanzen zugewuchert wird.
Unterstützt werden sie dabei von Galloway-Rindern. Diese robusten Rinder sind wie Koniks ganzjährig auf der Birk zu finden. Bereits seit den 1990er Jahren leben diese Tiere auf der Halbinsel. Ursprünglich kommen diese Rinder aus Schottland, doch die Gruppe auf der Geltinger Birk stammen aus bestehenden schleswig‑holsteinischen Zucht- und Naturschutzbeständen, nicht direkt aus Schottland.
Flora der Geltinger Birk
Die Geltinger Birk hat neben der vielfältigen Fauna auch eine ebenso große Vielfalt an Pflanzen aufzuweisen.
Typische Pflanzenarten auf den Strand- und Spülsaumflächen der Geltinger Birk sind z. B. Meersenf (Cakile maritima), Salzmiere (Honckenya peploides), Stranddistel (Eryngium maritimum) und Meerkohl (Crambe maritima). Alle diese Pflanzen kommen gut mit dem Mix aus Wind, Salz und Sand zurecht.
In den wiedervernässten Bereichen der ehemaligen Noore findet man vor allem die Strand-Grasnelke (Armeria maritima) und die Strand-Aster (Tripolium pannonicum) . Diese Arten, die den Übergang zwischen Salzwiese und Feuchtgebiet prägen.
Am Toten Kliff, wo kalkhaltiger Lehmboden freiliegt, wächst die stängellose Schlüsselblume (Primula vulgaris), eine gefährdete Art, die hier in der Geltinger Birk einen ihrer letzten Rückzugsräume hat.
Ein Besuch auf der Geltinger Geltinger Birk
Am besten erkundet man die Geltinger Birk zu Fuß. Mit dem Fahrrad ist es auch möglich – aber nur auf dafür ausgewiesenen Wegen. Autos sind nicht erlaubt – aber es gibt im Gebiet mehrere Parkplätze, wo man von dort aus die Wandertouren oder Spaziergänge starten kann.
In der Geltinger Birk führen fünf offizielle Themenrundwege durch das Gebiet. Als Wegmarkierung dienen die Tiere, nach denen die jeweiligen Routen benannt sind.
- Rundweg „Möwe“:
Dieser Wanderweg führt einmal rund um das Gebiet und führt zum größten Teil direkt am Ufer entlang. Der Weg ist etwa 13,3 Kilometer lang. Empfohlener Startpunkt ist der Parkplatz südlich der Mühle Charlotte.
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Rundweg „Konik”
Dieser etwa 6,3 Kilometer lange Rundweg führt einmal rund um den südwestlichen Teil des Geltinger Birkes. Hierbei passierst du auch die NABU-Hütte und die „Alte Meierei”.
- Rundweg „Eule”
Bei diesem Wanderweg bekommst du eine kleine Übersicht über die Geltinger Birk. Der Weg ist nur drei Kilometer lang, führt allerdings nicht an der Ostseeküste entlang. Empfohlener Startpunkt ist Nieby.
- Rundweg „Hochlandrind”
Dieser Wanderweg folgt weitgehend dem Küstenverlauf des Themenwanderweges Möwe, allerdings bei Niebywesterfeld führt der Weg weiter ins Innere des Gebietes. Hierbei passiert man auch drei Klapptore. Mit etwas Glück kann man sowohl Koniks als auch die namensgebende Galloway-Rinder erblicken.
- Rundweg „Kröte”
Der Wanderweg „Kröte” gehört zu den kleineren Runden, die man auf der Geltinger Birk schnell absolvieren kann. Hierbei erkundet man den Südosten der Halbinsel. Zudem eignet sich der Weg um den „Möwenweg“ etwas abzukürzen.
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Fernwanderwege
Auch ein Fernwanderweg führt durch die Geltinger Birk. Es ist der Fördesteig, ein etwa 95 Kilometer langer Fernwanderweg, der entlang der Flensburger Förde verläuft. Der Weg führt direkt an der Küste entlang.
Mehr Infos über den Fördesteig findest du hier: Link zur Webseite vom Fördesteig
Meine Wandertour auf dem Geltinger Birk
Meine Tour durch die Geltinger Birk war eine Kombination von den Rundwegen „Hochlandrind” und „Möwe”. Mehr über meine Tour erfährst du hier: Der Geltinger Birk – Eine Wanderung im Nebel – Rambling Rocks
Anfahrt zur Geltinger Birk
Leider ist die Anreise mit dem ÖPNV recht beschwerlich bzw. man muss ein paar zusätzliche Kilometer hinzurechnen, denn die nächste Haltestelle (Nordstraße) befindet sich in Gelting. Von dort muss man etwa 3,5 Kilometer in Kauf nehmen bis man den Eingang des Naturschutzgebietes erreicht. Da haben Autofahrer deutlich einfacher. Sehr schade.
Hinweis für Hundehalter
Für Hundehalter gilt in der Geltinger Birk ganzjährig Leinenpflicht. Hunde müssen auf den Wegen bleiben und dürfen weder in die Schilfzonen noch zu den Wildpferden oder Galloways. Die Regeln dienen dem Schutz der vielen Bodenbrüter und Rastvögel im Naturschutzgebiet. Leider musste ich auf meiner Wandertour beobachten, dass sich die meisten Hundehalter leider nicht an die Regeln halten. Dabei ist Rücksichtnahme die einfachste Form des Naturschutzes.
Quellen und lesenswerte Links
Über die Geltinger Birk gibt es allerhand Lesefutter im Internet zu finden. Hier ist eine kleine Auswahl:
- Geltinger Birk – Webseite „Strand_und_Steine“
- Karte der Wanderwege – Stiftungsland.de (PDF-Datei)
- Flyer GeltingerBirk – Nabu.de (PDF-Datei)
- Geltinger Birk – Webseite „Schleswig-Holstein.de”
- Die Geschichte Beveroes – Webseite „Geltinger Birk.de”
- Geltinger Birk – Stiftung Naturschutz
- Geltinger Birk – Webseite „Umweltanwendungen Schleswig-Holstein”
- Flyer Naturschutzgebiet „Geltinger Birk“ –„Umweltanwendungen Schleswig-Holstein” PDF-Datei
Die Links wurden zuletzt am 31.05.2026 aufgerufen.
Warst du schon einmal auf der Geltinger Birk? Welche Tiere und Pflanzen hast du dort entdeckt? Welcher der fünf Themenwege gefällt dir am besten?
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