Gesteine Neu!!!

Geschiebe oder Findling?!

Von
am
13. September 2019

“My boulder is over the ocean,
my boulder is over the sea…”

– geologisches humoristisches Lied, das auf die Melodie von “My Bonnie is over the ocean” basiert; Boulder = Geschiebe

Es kommt sehr selten vor – aber ich habe mich extra für zwei Steine mal (mit)ablichten lassen. Richtig, für zwei Steine! Doch richtigerweise sollte ich als Geologin von “Gesteinen” sprechen. Denn wir sprechen nie von “Steinen” sondern von “Gesteinen” – ja, ich bin so pingelig!!!

Und damit nicht genug. Denn diese Gesteine sind auch nicht nur einfach Gesteine, sondern beide tragen jeweils eine Bezeichnung, um die es in diesem Artikel gehen soll.

Bezeichnungen, die beim Laien anfangs vielleicht für etwas Verwirrung sorgen. Es handeln sich um die Begriffe: “Findling” und “Geschiebe”. Wenn man sich mit Gesteinen und der Geologie der Ostseeküste – wie ich – beschäftigt, kommt man an diesen Begriffen nicht vorbei.

Doch was bedeuten diese?

Ist es das gleiche oder gibt es einen Unterschied?

Und was haben sie mit der Ostseeküste zu tun? Dieser kleine Beitrag soll ein wenig Klarheit bringen.

Geschiebe

Wenn man an den Stränden der Nordsee- und vor allem der Ostseeküste entlang geht, stellt man fest, dass nicht alle Küsten von einem reinen Sandstrand bedeckt sind. Im Gegenteil, oft sind diese recht steinreich und nicht gerade für einen Badeurlaub a là Karibik geeignet.

Doch es sind keine einheitlichen Gesteine, sondern es liegt hier eine bunte Vielfalt an Farben und Formen vor. Doch diese Gesteine haben alle eines gemeinsam.

Und da wären wir schon beim ersten Begriff. Diese bunte Mischung an Gesteinen, die man hier an der Küste vorfindet (beispielhaft auf dem Foto zu sehen) werden als “Geschiebe” bezeichnet.

Das Wort “Geschiebe” hat natürlich etwas mit “schieben” zu tun. Der Begriff bezieht sich auf die Art, wie diese Gesteine an die Küsten von z.B. Deutschland gelangt sind. Sie wurden in den Eiszeiten von Gletschern aus Skandinavien nach Süden transportiert. Diese Gletschermassen aus dem skandinavischen Raum bedeckten dabei einst große Teile von Norddeutschland und drangen sogar bis nach Mitteldeutschland vor. Die Grenze dieser Eismassen wird mit der sogenannten “Feuersteinlinie” markiert.

Einer dieser Grenze kann man in Wernigerode (Harz) besuchen. Schon erstaunlich wie weit und vor allem wie mächtig diese Eismassen sein mussten um bis zum Nordrandbereich des Harzes zu gelangen. Ein Fakt, dem man sich mal bildlich vor Augen führen sollte. Kraaaasss!!!

Die Bezeichnung “Geschiebe” ist natürlich eine sehr allgemein umfassender Begriff. In der Geschiebekunde (Lehre von glazialen Geschiebe) wird das Geschiebe noch genauer unterschieden. Hierbei unterscheidet man zwischen kristallinen und sedimentären Geschiebe. Doch für den Laien sollte die allgemeine Definition erstmal genügen.

Findling

Wer die Nord- oder Ostseeküste einem Besuch abstattet, wird sicherlich einem Findling oder dem Begriff “Findling” begegnet sein.

Ein Gesteinsbrocken, der doch irgendwie wie ein Fremdling durch seine oft außergewöhnliche Größe in der Küstenlandschaft wirkt. Diese Wirkung ist kein Zufall. Denn ein Findling ist ein vom Inlandeis transportierter Gesteinsblock. Also ein “Geschiebe”.

Doch was macht dieses Geschiebe zu einem “Findling”? Ganz einfach: sein Volumen.

Es wurde festgelegt, da jedes Geschiebe, das 1 oder mehr Kubikmeter an Volumen aufweist, als Findling bezeichnet wird. Alles was weniger Volumen aufweist, ist “nur” ein Geschiebe. Der Geologe Werner Schulz (1932 – 2018) hat sogar über die Volumenberechnung von Findlingen folgende Formel aufgestellt: Länge * Breite * Höhe * Faktor 0,523 + 10 % vom erhaltenen Produkt. Dabei werden die Werte für die größte Länge, Breite und Höhe des Findlings genommen in die Formel eingetragen.

Am Rande sei erwähnt, das viele Findlinge aufgrund ihrer Seltenheit und ihrer Bedeutung als geologisches Fenster in die Vergangenheit als Geotope unter Schutz stehen. Im Landesnaturschutzgesetz von Mecklenburg-Vorpommern genießen diese “stummen” Erzähler der Eiszeit sogar einen besonderen Schutz.

So merke…

Ich hoffe durch diesen kleinen Beitrag etwas Klarheit in Begrifflichkeiten bringen, die manchmal doch synonym zueinander verwendet werden, was aber nicht immer richtig ist. Laut eigener Erfahrung ist sogar Sammlern von Geschieben nicht immer klar, was eigentlich der Unterschied zwischen Findlingen und Geschieben ist.

Ein kleiner Geologen-Tipp: Wer dennoch beide Begriffe verwechselt, sollte statt “Findling” einfach den Begriff “Großgeschiebe” verwenden. Das wird durchaus synonym zu Findling verwendet (und ist auch legitim) und zeigt auch besser den Unterschied zwischen den beiden Begriffen dar.

Zu guter Letzt ein kleiner geologischer Hinweis zum Foto: Das Geschiebe in der Hand ist ein Rapakivi-Granit. Ein Gestein, das man recht häufig an der Ostseeküste findet. Der große Brocken ist ein Granodiorit und hält bis heute den Rekord, der größte Findling im Stadtbereich von Schwerin zu sein.


Hast du schon einmal ein Geschiebe gefunden? Oder einen Findling besucht? Warst du da an der Ostsee- oder Nordseeküste? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

nnnn

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

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