Hallo da draußen

10 Gesteine, die du (fast immer) an der Ostseeküste findest

„Mancher Stein, den uns das Leben in den Weg legt, entpuppt sich beim Zupacken als Juwel.“

© Karlheinz Karius, (*1935), Urheber, Mensch und Werbeberater

Die Ostseeküste gehört nicht nur zu den steinreichsten, sondern auch zu der diversesten der Welt. Dank eiszeitlicher Gletscher wurden unzählige Gesteine an die Nord- und Ostseeküste herangetragen und abgelagert.

In diesem Artikel stelle ich dir 10 Gesteine vor, die du bei jedem Strandspaziergang an der Ostseeküste findest.

Arten von Strandsteinen

Mit Ausnahme des Unakits gibt es bei jedem hier genannten Gesteinen Variationen; die hier abgebildeten Gesteine sollen nur als Beispiele fungieren. Nicht jeder Granit, Gneis oder Porphyr sieht so aus wie auf den Bildern.

Wenn du daher genau wissen möchtest, welche Art von Gestein du in deinen Händen hältst, empfehle ich einen Blick auf verwendete und weiterführende Literatur zu werfen. Dort werden die Gesteinsgruppen näher vorgestellt und auch einige Arten, die man als Strandsteine finden kann, werden näher beschrieben.

1. Feuerstein

Feuerstein ist das häufigste und auch formenreichste Gestein, das du an der Ostseeküste finden kannst. Einst hat sich kieselsäurehaltige Lösungen auf dem kreidezeitlichen Meer abgelagert. Die Lösung stammt vermutlich aus den Schalen einzelliger Kieselalgen oder von Kieselschwämmen die sich massenhaft am Meeresboden abgelagert haben. Durch Umwandlungs- und Kompaktionsprozesse  während der Gesteinsbildung (sog. „Diagenese”), verhärtete sich das Kieselgel und es entstand der Feuerstein.

Aufgrund seines gelartigen Charakters, konnte der Feuerstein dadurch nahezu jede Gestalt annehmen, dessen Formenvielfalt du auch wieder am Strand entdecken kannst. Hierbei ist dann einfach nur deine eigene Fantasie gefragt, was du in diesem Gestein siehst. Doch lass dich nicht täuschen. Diese Formen sind meist keine Fossilien, sondern nur Zufallsformen, die während der Diagenese entstanden sind. Um Fossilien zu finden, musst du im Feuerstein nach eindeutigen Merkmalen wie Schalenreste, Panzerresten oder Spuren.

Neben Fossilien im Feuerstein ist ein weiteres beliebtes Sammelobjekt die „Hühnergötter”: Feuersteine mit einem Loch, die gerne als Glücksbringer um den Hals getragen werden.



2. Granit

Jeder, der Geowissenschaften studiert, kennt den Spruch: „Feldspat, Quarz und Glimmer – vergesse ich nimmer.” Damit sind die drei Mineralien gemeint, aus denen der Granit zusammengesetzt ist. Da es nicht nur eine Art von Quarz, Feldspat oder Glimmer gibt, sind unzählige Granit-Varianten bekannt. Daher gehört der Granit, neben dem Feuerstein, zu den häufigsten Gesteinsfunden am Ostseestrand.

Entstanden ist der Granit in der Erdkruste aus Gesteinsschmelze, die in einer Tiefe von über zwei Kilometern kristallisierte. Durch Abtragungs- und Hebungsprozesse ist dann das Gestein an die Erdoberfläche gelangt und war dann fortan der Verwitterung ausgesetzt. So konnten eiszeitliche Gletscher das plutonische Gesteine abgetragen und weiter transportieren.



3. Sandstein

Wenn durch Verwitterung Gesteinsmaterial abgelagert wird, entstehen neue Gesteine: die Sedimente. Sandsteine gehören zu dieser Gesteinsgruppe.

Sie entstehen durch die Ablagerung von Quarzkörner. Oft kann man im Gestein sogar eine Schichtung erkennen. Einige Sandsteine fallen durch eine wechselnde Farbgebung ihrer Schichtung auf. Diese Gesteine werden dann gerne von Sammlern mitgenommen.

Bei Strandfunden an der Ostseeküste ist es möglich, dass du im Sandstein Spuren von Fossilien entdeckst. Hierzu zählt Skolithos: Ein Spurenfossil, das man recht häufig noch an der Ostseeküste finden kann und zudem zu den ältesten Fossilien Deutschlands gehört.



4. Gneis

Wenn ein Ausgangsgestein hohen Druck bei der Metamorphose erfährt, führt es zu einer Umbildung der Mineralkörner. So werden z. B. beim Granit die Mineralkörner regelrecht platt gedrückt und gleichzeitig auch etwas in die Länge gezogen. Ergebnis ist ein neues Gestein: der Gneis.

Gneise werden häufig in Ader-, Bänder-, Schlieren-, Stängel-, Flaser- und Augen-Gneise unterteilt. Neben diesen auffälligen Gefüge, kannst du auch Minerale wie z. B. Granate, Cordierit oder Magnetit im Gestein finden. Diese bildeten sich unter hohen Temperatur- und/oder Druckverhältnissen und eignen sich daher auch als prima als Bestimmungshilfe für plutonische Gesteine wie z. B. beim Gneis.



5. Porphyr

Porphyre besitzen das am häufigsten vorkommenden Gefüge magmatischer Gesteine: das „porphyrische Gefüge”. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass grobkörnige Kristalle – sogenannte Einsprenglinge – in einer feinkörnigen Grundmasse („Matrix”) eingebettet sind. Die Feldspäte zeugen oft rhombenförmige Querschnitte und bestehen aus einem Plagioklaskern und einem Alkalifeldspat-Rand.

Dank oft sehr individueller Merkmale und klar begrenzter Herkunftsregion kann ein großer Anteil der Porphyre als Leitgeschiebe verwendet werden. Sie sind durchweg helle, vulkanische Gesteine, die eine graue, braune und sogar gelbliche Farbe haben. Auffällig bei vielen Porphyren ist aber ihre Rotfärbung. Diese rote Färbung ist eine Folge der Bildung von pigmentartigen, feinkörnigem Roteisen („Hämatit“), der in der frühen Abkühlungsphase durch zirkulierende, oxidierende wirkende wässrige Lösungen im Gestein gebildet wurde.

Beispiel von Basalt klicke hier (Externer Link!)

6. Unakit

Unter den Metamorphiten gehört Unakit zu den auffälligsten Gesteinen, die du am Strand finden kannst, denn kein Gestein ist so auffällig rot-grün gefärbt und daher auch so leicht von anderen Gesteinen zu unterscheiden. Vor allem wenn das Gestein noch nass ist, entfaltet es seine schöne Färbung am besten. Verantwortlich für diese besondere Färbung sind neben weißer Quarz hauptsächlich roter Feldspat und grüner Epidot. Aufgrund seiner schönen Färbung wird er gerne als Trommel-, Schmuck- und Heilsstein verwendet.

Unakit bildete sich aus der Kombination durch tektonisch bedingte Gesteinszertrümmerung („Kataklase”) und durch niedrig temperierte Metamorphoseprozesse („Propylitisierung”).



7. Kalk

Kalk ist ein Sedimentgestein, das hauptsächlich aus dem Mineral Kalzit (CaCo3) besteht. Aus Schalen- und Skelettresten von Organismen hat sich dieses Gestein hauptsächlich im Meer gebildet. Diese Gesteine haben eine dichte, feinkörnige Masse. Es gibt aber grobkristalline Varianten, deren Kristalle man gut an den glatten, lichtreflektierenden Spaltflächen erkennen kann.

Kalkhaltige Gesteine kann man sehr gut bestimmen, wenn man etwas Essigessenz oder Salzsäure auf das Gestein träufelt. Eine Reaktion in Form von Bläschenbildung ist direkt zu sehen. Wie in fast jedem Sediment, kann man auch im Kalkgestein Fossilien finden.



8. Basalt

Basalte gehören zu den häufigsten magmatischen Gesteinen, die man an der Erdoberfläche findet. Basalte sind dunkelgraue bis fast schwarze Gesteine mit einem feinkörnigen, dichten Gefüge.

Es können aber Einsprenglinge wie z. B. aus Pyroxen, Olivin oder Plagioklase vorkommen. Meist sind diese aber herausgewittert und hinterlassen eine löchrige Gesteinsoberfläche. Auch sogenannte „Rostflecken”, die auf verwitterten Olivin zurückzuführen sind, ist typisch für dieses Gestein.

Das Basaltgeschiebe hat meist eine eher kantige Form – und nimm ein Stück mal in die Hand. Du wirst feststellen, dass Basalt schwerer ist als andere Geschiebe in der gleichen Größe.

Beispiele von Basalt klicke hier (Externer Link!)

9. Quarzit

Diese verwitterungsresistenten Gesteine sind aus der metamorphen Umwandlung von Sandsteinen entstanden. Quarzite sind meist helle, oft feste fein bis mittelkörnige Gesteine, die nur aus einer Mineralart, dem Quarz, bestehen.

Am Ostseestrand findest du meist gut gerundete Exemplare, die dank Eisen gelb bis braun, durch Chlorit grün, Mangan violett oder dank Graphit dunkelgrau gefärbt sind. Im nassen Zustand haben Quarzite dank ihrer Färbung und ihrer Form eine Ähnlichkeit mit Bonbons.

Bilder von Quarzit klicke hier (Externer link)

10. Bernstein

Zugegeben, so häufig ist Bernstein an der Ostseeküste nicht zu finden. da es von vielen Faktoren abhängig ist und beim Suchen auch immer das sprichwörtliche Quäntchen Glück beim Finden eine Rolle spielt.

Dennoch, was wäre die Ostseeküste ohne Bernstein? Dieses Gestein – was eigentlich kein Gestein ist, sondern ein fossiles Harz – ist so eng mit der Ostsee verbunden, dass es in dieser Liste nicht fehlen darf.

Einst massenhaft in den riesigen Wäldern im baltischen Raum entstanden, wurden die umgestürzten Harzproduzierenden Bäume rasch mit Erde und Sand bedeckt und somit der Erhalt des fossilen Harzes begünstigt.

Das „Gold der Ostsee” wurde dann im Zuge der Entstehung der Ostsee durch den ansteigenden Meeresspiegel ins Meer eingetragen. Heute werden die Bernsteine dann dank Wind und Wellen wieder an die Küste herangetragen und vielleicht von dir als Strandspaziergänger gefunden.


Baltischer Bernstein


Verwendete und weiterführende Literatur

Mehr über Gesteinsarten und deren Bestimmung findest du in den folgenden Büchern:

  • Das große Buch der Strandsteine – die 300 häufigsten Steine an Nord- und Ostsee, Frank Rudolph, 2017, Wachholtz Verlag, ISBN: 978-3-529-5467-9
  • Grundlagen und Praxis der Gesteinsbestimmung, 2. Auflage, Horst Peter Hann, Quelle & Meyer, 2018, ISBN: 978-3-494-01732-7
  • Steine an deutschen Küsten – Finden und Bestimmen, Roland Vinx, Quelle & Meyer, 2016, ISBN: 978-3-494-01685-6
  • Webseite: Strand_und_Steine.de

Welche Gesteine hast du am häufigsten am Strand gefunden? 

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