Gesteine Neu!!!

Gesteine bestimmen am Strand – Für absolute Anfänger

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am
16. September 2020

“Mente et Malleo” (deutsch: “Geist und Hammer”)

– Spruch der Geologen; soll auffordern, beim Sammeln von Gesteinen zuerst seinen Kopf und dann seinen Hammer beim Bergen der Fundstücke zu benutzen; sinnloses Herumhämmern zerstört nicht die Fundstelle, sondern auch ein Stück Natur

Steine finde ich faszinierend. Stundenlang kann ich am Ostseestrand entlang gehen und mir Findlinge und Geschiebe anschauen. Manchmal finde ich etwas interessantes. Manchmal auch nicht. Doch kein Strand ist in Sachen Gesteinen vielfältiger als ein Ostseestrand. Denn ein Stein ist nicht gleich ein Stein.

Auch wenn die oben genannte Tätigkeit bei dir vielleicht eher ein Gähnen auslöst. Oft höre ich, das Steine “langweilig” sind oder einfach “tote Masse”. Doch wer das sagt, hat sich nicht ernsthaft mit der Thematik beschäftigt und würde solche Aussagen nie treffen.

Dabei haben die meisten von uns ihre erste Begegnung mit Steinen bereits in der Kindheit. Welches Kind hebt nicht mal einen schönen Kiesel auf oder ist von “Trommelsteinen” fasziniert und sammelt sie sogar?

Manchmal vergeht diese Begeisterung im Verlaufe der Zeit, aber manchmal bleibt sie ein Leben lang eine Leidenschaft. Und man stelle sich vor: es gibt sogar Leute, die beruflich etwas mit Steinen ausüben.

Warum sammelt man Steine?

Ich sammle Steine, weil ich sie zu einem einfach schön finde und zum anderen, weil ich eine möglichst gute Sammlung an typischen Geschiebegesteinen (und Fossilien) der Insel Poel haben möchte. Nun, so speziell muß natürlich nicht der Grund sein, wenn man anfängt Steine zu sammeln.

Die ersten Funde sind oft “Zufallsfunde”, weil das Fundstück im Auge des Betrachters so besonders war, das man es mitnahm. Viele Sammlungen sind aus eigenen persönlichen Interesse an Gesteinen entstanden und wuchsen im Verlaufe der Jahre oder sogar Jahrzehnte zu großen Sammlungen an, die – wenn sie sammlungstechnisch gut aufbereitet ist – sogar einen wissenschaftlichen Wert haben. Hierzu zählen hauptsächlich museale Sammlungen, die weniger auf die Ästhetik, sondern eher auf den wissenschaftlichen Wert des Fundstückes achten.

Was sind Gesteine?

Möchte man sich nun ernsthaft mit dem Sammeln von Steinen beschäftigten, sollte man den Terminus “Stein” durch das Wort “Gestein” ersetzen.

In der Geologie – und auch bei Sammlern – wird nämlich dieses Wort hauptsächlich verwendet. Wir reden immer von “Gesteinen”, nie von “Steinen.”

Daher verwende ich hier im Artikel auch ab sofort das Wort “Gestein”.

Unter einem “Gestein” versteht man eine natürlich auftretendes Material, das hauptsächlich aus Mineralien besteht.

Dabei kann das Gestein aus mehreren Mineralien (z.B. Granit) oder nur aus einem Mineral (z.B. Steinsalz) aufgebaut sein. Mineralien sind DAS Erkennungsmerkmal von Gesteinen. Anhand ihrer Größe, Aufbaus und Art kann man Rückschlüsse auf die Entstehung des gesamten Gesteins ziehen.

Gesteine sammeln – wie und wo?

Natürlich kann man jede Art von Stein sammeln. Hierzu gibt es keine Regeln, vor allem wenn man nach rein ästhetischen Werten geht; bekanntlich liegt ja die Schönheit im Auge des Betrachters.

Aber ohne jegliche Vorkenntnisse zu den Fundstücken wird aus einer Sammlung eine reine “Gesteinsansammlung”, daher sind doch ein paar wenige Kenntnisse über Gesteine sinnvoll.

Es hilft nicht nur die einzelnen Fundstücke in der Sammlung ein wenig im Blick zu haben, sondern zeigt gleichzeitig die Vielfältigkeit an Gesteinen und fördert zudem eine tiefere Naturerkenntnis, die durch das Sammeln entstanden ist.

Steine kann man nahezu überall sammeln. In den Alpen, am Fluß, in Kiesgruben, an Steilhängen oder am Strand.

Ich empfehle für Anfänger die Ostseeküste. Hier liegt eine große Fülle an kleinen und großem Gesteinen, da ist für jeden etwas dabei. Zudem sind hier nahezu alle gängigen Gesteine vorhanden, die man als Geologie-interessierter Mensch kennen sollte (- und auch im Grundstudium der Geologie lernt).

Gesteine bestimmen – mit Hilfe von Strandsteinen

Wie ich bereits erwähnt habe, empfehle ich die Ostseeküste zum ersten Kennenlernen und Bestimmen von Gesteinen.

Zur Hilfe der Gesteinsbestimmung haben ich einfach mal verschiedene Gesteine am Strand “Schwarzen Busch” auf der Insel Poel an einem Vormittag zusammengetragen.

Auf den ersten Blick zeigt sich bereits, wie vielfält Gesteine der Ostsee sind.

Für eine sichere Bestimmung sollte das Gestein nicht zu klein sein, sondern gut in die Hand passen. Die Steine sollten dabei nass oder wenigstens angefeuchtet sein, denn nur so lässt sich die tatsächliche Struktur und den Mineralienbestand des Gesteins erkennen.

Die 3 Gesteinsklassen

Zu den Grundkenntnissen der Geologie – und eines jeden ernsthaften Gesteinssammlers – gehört das Wissen über die verschiedenen Gesteinsklassen. Es werden grob drei Gesteinsklassen anhand ihrer Entstehung unterschieden:

      1. Magmatite
      2. Metamorphite
      3. Sedimente

Natürlich werden diese drei Gesteinsklassen in weitere Gruppen unterteilt, doch das würde hier zu weit führen. Nur bei der Gesteinsklasse “Magmatite” halte ich für den Anfänger die weitere Unterteilung in “Vulkanite” und “Plutonite” sinnvoll.

Beide Gruppen – vor allem die Plutonite sind eine sehr diverse Gesteinsgruppe, die man kennen sollte; zumal diese vor allem an der Ostseeküste sehr divers vertreten ist. Zudem sind beide Gesteinsgruppen innerhalb ihrer Klasse sehr leicht voneinander zu unterscheiden.

1. Magmatite (Erstarrungsgesteine)

Diese Gesteinsgruppe (manche sprechen auch von Gesteinstyp) entsteht in der Erdkruste aus Magmatit. Man spricht auch von Ergußgesteinen, das sie aus dem “Erguß” von Magma entstehen.

Magmatite werden weiter in zwei weitere Gruppen unterteilt: Vulkanite und Plutonite.

1.1 Vulkanite (auch Erguß-, Ausbruch-, Effusivgestein)

Die Vulkanite entstehen, wenn Magma an die Erdoberfläche tritt; dann spricht man von Lava. Vulkanite kühlen grundsätzlich schneller aus als Plutonite. Sie besitzen daher eine feinkristalline Grundmasse (“Matrix”), worin einzelnen Minerale “schwimmen”. Doch nicht nur einzelnen Mineralien, sondern ganze Fremgesteine (sog. (Xenolithe”) können in Vulkaniten vorkommen. Zu den bekannten vulkanischen Gesteinen zählt die Gruppe der “Porphyre”.

Porphyre (s.Bild) aus einer Matrix, eine feinkristalline Grundmasse, in dem die einzelnen Mineralien zu “schwimmen” scheinen. Man nennt es auch porphyrisches Gefüge.

Um ein Vulkanit sicher bestimmen zu können, solltest du die folgenden Fragen beantworten. Wenn du die meisten Fragen mit einem “Ja” beantworten kannst, hast du zu größter Wahrscheinlichkeit ein Vulkanit gefunden:

Fragen um ein Vulkanit zu erkennen
  • Ist eine Grundmasse mit “schwimmenden” Mineralien erkennbar?
  • Ist die Grundmasse feinkristallin?
  • Sind in der Grundmasse “Fremdgesteine” erkennbar?

1.2 Plutonite (Tiefengestein)

Pluto – der römische Gott der Unterwelt – ist der Namensträger für die zweite Gruppe der Magmatite: die Plutonite. Im Gegensatz zu den Vulkaniten, ist das Magma nicht an die Erdoberfläche vorgedrungen, sondern blieb in der Erdkruste stecken und kühlte sich dort langsam zu einem festen Gestein ab.

Aufgrund der langsamen Abkühlung hatten die Minerale Zeit sich groß auszubilden. So besteht ein Plutonit aus verschiedenen zusammengesetzen Mineralien ohne eine Grundmasse zu bilden. Hier spricht man dann von einem richtungslosen Mineral-Gefüge.

Das bekannteste Plutonit-Gestein ist dabei der Granit, wobei es hier hunderte von Variationen gibt. Ein Granit ist recht einfach zu erkennen. Man muß sich nur die geologische Faustregel “Feldspat, Quarz und Glimmer, vergess ich nimmer” merken, denn das sind die drei Hauptminerale aus denen ein Granit bestehen muß.

Beim folgenden Bild kann man gut alle drei Hauptmineralien erkennen. Feldspat ist ein fleischfarbenes Mineral, Glimmer ist hier als schwarze Flecken zu erkennen und Quarz hat eine graue Farbe, wirkt aber oft milchig bis fast durchsichtig.

Um ein Plutonit sicher bestimmen zu können, solltest du die folgenden Fragen beantworten. Wenn du die meisten Fragen mit einem “Ja” beantworten kannst, hast du zu größter Wahrscheinlichkeit ein Plutonit gefunden:

Fragen um ein Plutonit zu erkennen
  • Zeigt das Gestein richtungsloses Mineralien-Gefüge?
  • Ist die Mineralien im Gefüge ungefähr alle die gleiche Größe?
  • Beinhaltet das Gestein hauptsächlich die Mineralien Feldspat, Quarz und Glimmer?

2. Metamorphite

“Verwandlung” bedeutet das Wort Metamorphose und das ist auch mit dem Metamorphiten passiert. Sie brauchen ein Ausgangsgestein, Druck und Temperatur um sich in ihrem Gesteinsgefüge zu verändern.

Ausgangsgsteine können z.B. Granite sein, deren Mineralienstruktur durch Druck und Temperatureinfluß nicht mehr schön körnig sind, sondern plattgedrückt oder verformt werden.

Zu bekannten Metamorphiten zählen die Gneise. Sie haben oft den gleichen Mineralienbestand wie ein Granit. Man bei Gneisen anhand ihrer Mineralien sogar erkennen, welcher Gneis als Ausgangsgestein diente.

Der Unterschied zwischen Granit und Gneisen ist sehr gut an den Mineralien zu erkennen. Aufgrund von Druck und Temperatureinwirkungen wirken die einzelnen Mineralienkörner bei Gneisen wie plattgedrückt.

Ein besonderes Phänomen ist bei einigen Gneisen zu beobachten. Einzelne Mineralienkörner bilden in Gneisen eine ovale Form. Oft sind die Körner auch deutlich größer als die übrigen in der Gesteinsmatrix.

Diese Mineralienkörner werden aufgrund ihrer Form als “Augen” bezeichnet und damit hat man schon auch eine Gesteinsart gefunden: der Augengneis. Die Größe der Augen kann dabei varrieren. Wichtig ist die deutliche Abgrenzung zu den restlichen Mineralien im Gestein.

Auch kann durch Druck und Temperatur sich Mineralien neu bilden. Ein schönes Beispiel ist dabei der Unakit. Ein grün-rotes Gestein. Dieses Gestein besteht aus den Mineralien Epidot (“grün”), Feldspat (rot) und Quarz (“grau, durchsichtig”)

Dieses Gesteins aufgrund seiner rot-grünen Farbe gerne als “Trommelstein” oder auch als Schmuckstein verwendet.

Um ein Metamorphit sicher bestimmen zu können, solltest du die folgenden Fragen beantworten. Solltest du die meisten Fragen mit einem “Ja” beantworten können, hast du zu größter Wahrscheinlichkeit ein Metamorphit gefunden:

Fragen um ein Metamorphit zu erkennen
  • Zeigt das Gestein “plattgedrückte” Mineralienkörner?
  • Kannst du im Gestein ein “Auge” erkennen?
  • Sind Schlieren oder verformte Mineralienkörner im Gestein zu erkennen?

3. Sedimente

Wer Fossilien sammelt, sollte sich nur auf Sedimente konzentrieren, denn nur in diesen Gesteinen kann man Fossilien finden. Magmatite und Metamorphite sind so stark überprägte Gesteine, das sich dort nie ein Fossil erhalten würde.

Sedimente sind Ablagerungsgesteine. Das Material zur Ablagerung stammt meist durch die Verwitterung anderer Gesteine; das können sowohl Magmatite, Metamorphite oder auch andere Sedimente sein.

Der Prozess der Ablagerung wird als “Sedimentation” bezeichnet und kann sowohl am Land als auch im Wasser z.B. Fluss oder Meer stattfinden.

Ein Merkmal vieler Sedimente ist eine Schichtung, damit ist der sichtbare Wechsel zwischen zwei verschiedenen Ablagerungsmaterialien gemeint. Sandsteine (s. Bild unten) zählen zu den Sedimenten, wo man sehr gut eine Schichtung erkennen kann.

Um ein Sediment sicher bestimmen zu können, solltest du die folgenden Fragen beantworten. Solltest du die meisten Fragen mit einem “Ja” beantworten können, hast du zu größter Wahrscheinlichkeit ein Sediment gefunden:

Fragen um ein Sediment zu erkennen
  • Zeigt das Gestein eine deutliche Schichtung?
  • Besteht das Gestein hauptsächlich aus Quarz?
  • Beinhaltet das Gestein ein Fossil?

Ein letzter Hinweis

Ich hoffe, dir hat diese kleine Einführung in die Gesteinsbestimmung gefallen. Natürlich kann man mit der Bestimmung der Gesteine noch weiter in die Tiefe gehen, aber mein Ziel ist es, dir nur eine ganz grobe Einführung in die Thematik zu geben.

Am Anfang seiner eigenen “Sammlerkarriere” soll man einen Experten (z.B. Geologen oder erfahrenen Sammler) zu Rate ziehen, wenn man bei seinem Fundstück etwas unsicher ist. Naturkundliche Museen oder Vereine mit geologischen Schwerpunkt sind da eine gute Anlaufstelle.

Mit der Zeit und Erfahrung entwickelt man “ein Auge” dafür, wie man Gesteine sicher bestimmen kann. Auch ein Austausch mit anderen Sammlern hilft neue Funde besser und genauer zu bestimmen.

Und nicht vergessen:

“Steine reden nicht, aber sie haben viel zu erzählen” – Hermann Lahm (*1948)

Quellen und lesenswerte Links

Es gibt ein paar tolle Webseiten und Bücher, die beim Bestimmen von Gesteinen (nicht nur am Strand) eine große Hilfe sind:


Sammelst du Gesteine? Was findest du an sie faszinierend? Nach welchen Gesichtspunkten sammelst du sie? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.


Brauchst du Hilfe bei der Gesteinsbestimmung?

Hast du ein Gestein gefunden,

aber keine Ahnung was es ist?

Dan hol dir doch den Rat einer Geologin-Paläontologin mit Diplom!

Schicke mir per Email ein Bild vom Fundstück mit Angabe des Fundortes!

Dank meiner Sammel-Affinität für eiszeitliches Geschiebe habe ich mir ein breites Wissen an den verschiedenen Gesteinen aneignen können und kann daher viele Gesteinsarten erkennen und unterscheiden.

Auch sind mir Fossilien aus dem deutschen Ostseeraum vertraut und kann hier bei der Bestimmung helfen.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin Zoe - eine naturverrückte diplomierte Gestein- und Fossilienliebhaberin, die das Wandern nicht lassen kann. Per Fuß oder per Rad, hauptsache draußen und Natur entdecken - und ja Steine gehören bei mir einfach dazu. Ich freue mich auf einen regen Austausch, Ideen und Kommentare. Liebe Grüße - Zoe

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