Blattfarbe
Pflanzen

Der Herbst und seine Farben

Von
am
November 8, 2018

“Der Herbst,
der der Erde die Blätter wieder zuzählt,
die sie dem Sommer geliehen hat.”
– Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

In diesem Jahr haben wir bisher mit dem Herbst richtig Glück gehabt. Kaum Regen, viele Sonnenstunden und die großen Herbststürme lassen noch auf sich warten. So war es möglich, viele schöne Stunden in der Natur zu verbringen.

Wie es beim Herbst zu erwarten ist, zeigt sich dieser von seiner bunten Seite. Vor allem in Wäldern und Parks kann man das Farbenspiel der Bäume und Sträucher sehr gut beobachten. Aus den sehr vielfältigen grünen Farbvariationen sind bunte Laubkronen und Sträucher entstanden, deren Farbspektrum von einem intensiven Kaminrot über ein sattes Orange bis zu einem leuchtenden Sonnengelb übergeht.

Man wird geradezu in dieser Jahreszeit visuell beglückt. Ich liebe dieses Farbenspiel – und dazu noch das goldene Sonnenlicht. Einfach toll!

Herbstspaziergang

Der Herbst ist da

Nach der Farbenpracht folgt schon bald der Winter und die Bäume und Sträucher werfen ihre Blätter ab. Doch wie stellen sie es fest, das jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist? Ganz banal gesagt, sie spüren es so wie wir Menschen.

Sie merken, das die Temperatur sinkt und die Tage kürzer werden. Durch kürzere Tage erhalten die Bäume weniger Sonnenlicht und daher fangen sie an, ihre Photosynthese zurückzufahren.

Herbstbäume

Die Photosynthese in ein Prozess, in dem Kohlendioxid aus der Luft und Wasser in Traubenzucker und Sauerstoff umgewandelt wird. Der grüne Farbstoff in den Blättern, das Chlorophyll, hilft bei diesen chemischen Vorgang.

Statt in den Blättern, wird das Chlorophyll in den Ästen, Wurzeln und im Stamm eingelagert. Diesen Prozess kann besonders gut zu Beginn des Herbstes bei vielen Blättern beobachten, wo der innere Bereich des Blattes noch grün ist, während die Blattränder bereits eine andere Farbe aufweisen.

Chlorophyll

Das Geheimnis der Blattfarbe

Da das Chlorophyll aus den Blättern verschwindet, kommen nur weitere Farbpigmente des Blattes zum Vorschein, die bisher vom Chlorophyll bedeckt wurden. Diese Farbpigmente heißten Carotine, Xantophylle und Anthozyane.

  • Carotine

Wenn man das Wort liest, denkt man sofort an das Wort “Karotte”, stimmts?! Das soll hier auch die Merkhilfe sein, denn die Karotte enthält ebenfalls Carotin. Diese natürlich vorkommende fettlösliche Farbpigmente (Lipochrome) ist für die orange Farbe in den Blättern und allgemeine Pflanzen (z.B. bei u. a. Karotten, Süßkartoffel, Kürbis) verantwortlich.

Carotin Baum

  • Xanthophylle

Xanthophylle gehören zu der gleichen Gruppe von Lipochromen wie Carotine. Xanthophylle sind jedoch sauerstoffhaltig. Sie geben im Herbst den Blättern einen gelben Farbton. Doch dieser Farbstoff kommt sowohl bei Pflanzen wie beim Löwenzahn, als auch bei Tieren (z.B. Eidotter, gelbe Feder) vor.
Eiche im Herbst
  • Anthocyane

Dieser wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe (“Flavonoide”) verleihen sowohl Blättern als auch Früchten eine rote, violette, blaue oder blauschwarze Färbung geben.

Doch nicht nur allein die Farbpigmenten sind dafür verantwortlich, sondern auch eine bestimmte Wetterlage. Tagsüber muss die Sonne kräftig scheinen und es muss recht warm sein, während die Temperaturen nachts stark abfallen müssen, um diesen Farbton bei Blättern zu erzeugen; denn Sonnenstrahlen und Kälte – das bedeutet für die Pflanze Stress.

Blaues Blatt

Diese Kombination hemmt den Prozess der Photosynthese. Statt der Umwandlung von Sonnenlicht in Energie, werden freie Radikale gebildet, die das Blattgewebe zerstören. Doch die in den Blättern enthaltenen Anthocyane schützen das Blatt vor diesen freien Radikalen und dienen noch zusätzlich wie ein UV-Filter.

Wie werfen die Bäume die Blätter ab?

Natürlich können Bäume sich nicht von selbst schütteln und damit ihre Blätter loszuwerden. Hier muss der Baum erstmal den Zugang zum Wasser vom Blatt stoppen. Dazu wird ein Trenngewebe zwischen Zweig und Blattstiel gebildet.Beim nächsten Windstoß fallen die Blätter vom Zweig ab.

Blätter im Herbst

Doch nicht jede Baumart bildet ein Trenngewebe aus. Zum Beispiel Buchen und Eichen bilden statt dem speziellen Gewebe, einfach mehr Zellen aus, die die Wasserbahnen in den Blättern verstopfen. Das Blatt färbt sich braun und stirbt ab.

Blätter ja – Nadeln nein

Im Herbst kann man bei Laubbäumen das Farbenspiel gut beobachten, doch bei Nadelbäumen hat man eher das Gefühl, das sie keine Nadeln verlieren. Sie stehen zu jeder Jahreszeit immer in ihren grünen Pracht da. Auch im Wintert. Doch da irrt man sich.

Die meisten Nadelhölzer werfen auch ihre Blätter (“Nadeln”) ab, doch dieser Prozess ist im Gegensatz zu den Laubbäumen an keiner Jahreszeit gebunden, sondern erfolgt kontinuierlich.

Nadelbaum

Diese Ungebundenheit ist dem Aufbau der Nadeln zu verdanken. Sie haben nämlich einen effektiven Verdunstungsschutz entwickelt.

Zuerst sind Nadeln recht kleine und zeigen eine kleinere Oberfläche als ein normales Blatt von einem Laubbaum. Zudem befinden sich in der Nadel Spaltöffnungen, desen Ausgänge verengt und eingesenkt sind. So ist die Wasserabgabe – im Gegensatz zu Laubbäumen – stark eingschränkt.

Nadel sind zudem von einer Wachsschicht umhüllte, die ein stärkeren Feuchtigkeitsverlust vorbeugen. Eine Nadel kann sogar bis zu mehreren Jahren an einem Zweig hängen, bis diese abgeworfen wird.

Was passiert mit dem Laub auf dem Erdboden?

Gefallenes Laub ist ein Festessen für Tiere wie Milben, Ohrwürmer, Asseln oder Tausendfüssler. Diese winzigen Tiere fressen gerne die Blätter soweit ab, bis nur noch ein Blattgerippe übrig ist. Auch Regenwürmer profitieren von dem Laubfall und ziehen einzelnen Blätter in den Erdboden.

Aus den Ausscheidungen der Würmer können wiederum Bakterien und Pilzen den Humus bilden. Aus diesem Humus entsteht dann neuer Boden, auf dem neue Bäume wachsen können und somit neues Blattwerk bilden. Vom Laubfall bis zum Humus ist ein stetiger Prozess und zeigt, dass gefallenes Laub durchaus kein “Abfall” ist, sondern sehr wichtig für das Wachstum der Bäume und Nahrungsquelle für viele Tiere ist.

Laub im Garten – was mache ich damit?

Sofern es niemanden stört, einfach liegen lassen. Denn Blätter sind für den Gartenboden der beste Dünger. Ausserdem dient die Laubschicht als Versteck und Überwinterungsquartier für zahlreiche Kleintiere, darunter Nützlinge wie den Marienkäfer, der sich von Blattläusen ernährt.

Sollte man sich jedoch an dem Laub stören, gibt es ein paar Möglichkeiten, was man damit noch tun kann:

  • Kompostieren

Die einfachste Methode ist wohl das kompostieren von Laub. Hierzu misch man zuerst das Laub, kombiniert mit etwas Gartenkalk oder Gesteinsmehl, unter Ihren Gartenkompost und legt zum Abschluss noch eine Schicht Laub ganz obenauf.

Diese „Laubdecke” bildet einen guten Schutz gegen Feuchtigkeit und Kälte. So fühlen sich Mikroorganismen wohl und können so den Kompostiervorgang unterstützen; denn ohne diese Organismen funktioniert es nicht.

  • Basteln und Dekoration

Beim Spazieren im Park sehe ich oft Kinder, die mit Begeisterung Blätter vom Boden sammeln. Warum auch nicht. Die verschiedenen leuchtenden Farben sind echt Hingucker, daher eignen sie sich auch als schöne Herbstdekoration. Hier kann man einfach mit Eicheln und Kastanien kombinieren.

Damit die Blätter möglichst lange halten, sollten sie vorher getrocknet werden. Am einfachsten ist es, wenn man das Blatt in ein dickes Buch mit zwei Papierblätter legt.

Neben der Dekoration eignen sich Blätter auch wunderbar zum Basteln. Auf dieser Seite habe ich ein wunderbare Ideen gefunden. Vielleicht gefallen auch dir die Ideen.

  • “Blätterschlacht” oder “Lass dein inneres Kind raus”

Du und deine Freunde finden im Wald einen riesigen Blätterhaufen… – noch Fragen?!

Blätterschlacht


Quellen und lesenswerte Artikel

Hier findest du einige interessante Artikel über das Farbenspiel in der Herbstzeit:


Sammelst du bunte Blätter im Herbst? Was machst du damit? Vielleicht hast du auch ein paar tolle Ideen, was man mit Laubblätter machen kann? Kommentiere hier oder schreibe mir eine Email.

STICHWORTE
RELATED POSTS

HINTERLASSE EIN KOMMENTAR

Ich akzeptiere die Datenschutzbedinungen

Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

Mein Senf

Die Eisheiligen scheinen endgültig vorbei zu sein. Dennoch – das Wetter ist tückisch…

Lohnt es sich rauszugehen?