Küstenwälder in MV Pflanzen

Küstenwälder von Mecklenburg-Vorpommern: der Buchenwald im Nationalpark Jasmund

Von
am
9. August 2021

„Auch nach mehreren Stunden komme ich aus dem Staunen über die Schönheit dieses Waldes am Meer nicht heraus, das Farbenspiel aus Grün-Blau-Weiß.“

(aus: Waldwunder – Vom Glück, im Grünen zu sein (S. 78)

© Monika Rößiger, freie Wissenschaftsjournalistin und Sachbuchautorin

Nachdem ich im Rahmen des Aktionstages „Internationaler Tag der Wälder“ bereits den Artikel „Ostsee trifft Wald — die Küstenwälder von Mecklenburg-Vorpommern” veröffentlicht habe, möchte ich nochmals die dort erwähnten Küstenwälder im Einzelnen vorstellen. In diesem Artikel stelle ich einen Küstenwald auf der Insel Rügen vor: der Buchenwald des Nationalparks Jasmund. 

Ich und der Buchenwald des Nationalparks Jasmund

Meine erste Begegnung mit dem Buchenwald im Nationalpark Jasmund liegt mehr als 10 Jahre zurück. Damals war ich noch Studentin und stand kurz davor meine Abschlussarbeit zu schreiben. Bevor ich aber mit der Arbeit losging, wollte ich mir noch einmal ein paar schöne Urlaubstage gönnen. So suchte ich mir einen Ort aus, der möglichst weit weg von meiner Uni-Stadt war. Zudem hatte ich Lust auf Küste und Meer.

Ich habe mir damals ein günstiges Hostel in Stralsund gesucht als eine Art Basisstation und haben dann von dort aus verschiedene Tagestouren in die Umgebung gemacht. So hat es mich auch auf die Insel Rügen verschlagen.



Ich nahm damals das übliche Touristenprogramm und wählte daher als Tagestour den Königsstuhl aus. Hierbei habe ich wohl DIE Wanderung gemacht, die jeder mal auf Rügen machen sollte: der Hochuferweg zum Königstuhl.

Auf diesem Wanderweg war ich vom Kontrast zwischen den weißen Kreidefelsen, dem Grün der Buchen und dem blauen Meer mehr als nur fasziniert gewesen.

Und von dieser Faszination ist bis zum heutigen Tag nichts verloren gegangen.

Der Wald im Nationalpark

Der Buchenwald im Nationalpark Jasmund, der etwa eine Fläche von 2.100 Hektar aufweist, gehört zu dem größten zusammenhängenden Buchenwald an der Ostseeküste.

Hauptsächlich besteht der Buchenwald aus dem sogenannten baltischen Waldgersten-Buchenwald. Das sind Buchen- oder Buchenmischwälder, die mäßig bis gut mit Nährstoffen versorgt sind und auf kalkreichen Böden wachsen.


Leuchtend grüner Schachtelhalm verschwimmt im Buchenwald


Dieser Waldtyp wird zudem begleitet von Orchideen-Kalkbuchenwald, der auf den Kreidesteilhängen zu finden ist. Hier findet man auch Kalktrockenrasen, wo seltene Orchideen-Arten wachsen, z.B. der Frauenschuh (Gattung Cypripedium). Letztendlich sind noch die Bachtäler mit Mooren und Quellsümpfen zu erwähnen. Hier liegt meist ein Eschen-Buchenwald vor, wo feuchtliebende Erlen (Gattung Alnus) bevorzugt wachsen.

Der Nationalpark Jasmund

Mit nur 3.003 Hektar Fläche ist der Nationalpark Jasmund der kleinste Nationalpark Deutschlands. Er erstreckt sich im Nordosten der Halbinsel Jasmund von Lohme bis nach Sassnitz.

Der älteste Bereich des Buchenwaldes mit einer Fläche von etwa 492,5 Hektar gehört zudem seit 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas”.

Neben dem Buchenwald auf Jasmund zählen auch Buchenwälder in den Bundesländern Hessen, Thüringen und Brandenburg dazu, sowie Buchenwaldgebiete in den Staaten Slowakei, Ukraine, Albanien, Belgien, Bulgarien, Italien, Kroatien, Österreich, Rumänien, Slowenien und Spanien.



Geologie

Der Buchenwald auf Jasmund steht auf einem hauptsächlich kalkhaltigen Boden. Der Kalk hier besteht im Wesentlichen nur aus Calciumcarbonat. Da er sehr feinkörnig, weich und hochporös ist, wird dieser Kalk auch als „Kreide” bezeichnet. Der Name „Schreibekreide” hat darin seinen Ursprung, dass man einst dieses Kalkgestein aufgeschlämmt und getrocknet hat, um daraus Tafelkreide zu gewinnen. Heutzutage wird die Tafelkreide aus Gips gewonnen.

Der Ursprung der Kreide liegt in der gleichnamigen Kreidezeit (vor etwa 145 bis 66 Millionen Jahre). Damals erstrecke sich dort, wo heute Rügen liegt, eine Meeresstraße, dessen Südufer in der Höhe des Harzes lag und das Nordufer an Skandinavien entlang verlief. Es herrschte ein warmes und ausgeglichenes Klima. Die Pole waren eisfrei und so lag der Meeresspiegel weitaus höher als heutzutage.

In den warmen Meeres entwickelte sich eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Bei Rügen lag ein Schelfmeer, das eine durchschnittliche Wassertemperatur von 20°C hatte. Hier im warmen und sauerstoffreichen Meereswasser konnten sich vielerlei einzelligen Organismen, wirbellose Tiere, Fische aber auch Reptilien entwickeln.

Paläontologie

Neben der unzähligen Fülle an Meerestieren, sollte ein Tiergruppe besonders erwähnt werden: die Coccolithophoriden. Diese nur etwa 25 Mikrometer große einzellige Geißeltierchen bildeten aus feinsten Kalkschuppen ihre Zellwände, die sogenannten Coccolithen. Auch andere Tiere wie Foraminiferen, Bryozoen und Ostracoden bildeten ebenso Panzer oder Schalen, die ebenfalls aus feinsten Kalk bestanden.

Pro Jahr lagerten sich bis zu 0.5 Millimeter dieser mikroskopisch kleinen Kalkschalen- oder Panzer am Meeresboden ab und bildeten somit eine Kalkschlammschicht. In dieser Schlammschlicht wurden wiederum größere Organismen (z.B. Seeigel) eingeschlossen, die man heute als Fossilien an der Küste von Jasmund finden kann.

Zwar war fand die Ablagerungen der Kalkschlämme nur in einem Zeitraum von etwa sechs Millionen Jahre statt (sog.: Maastrichtium; 72 – 66 Millionen Jahre), doch war dieser Zeitraum dennoch lang genug um Kreideablagerung bis zu einer Mächtigkeit von über 200 Metern zu bilden.

Es ist also nicht überraschend, dass man immer noch zahlreiche Fossilien-Funde an der Küste von Jasmund machen kann. Zu den häufigsten Fossilien zählen hier Muscheln, Brachiopoden, Seeigel, Schwämme und Moostierchen.

Fauna und Flora

Dank des Schutzstatus des Buchenwaldes als Nationalpark und als UNESCO-Weltnaturerbe können sich eine Reihe von Tiere und Pflanzen hier zuhause fühlen. Vor allem für Vogelfreunde ist es interessant, denn hier auf trifft man auf die stattlichen Seeadler und Wanderfalken. In den Kreidekliffs hat man die Möglichkeit Mehlschwalben beim Brüten beobachten.

Im Frühjahr kann auf hier über den Buchenwald besonders gut Kraniche beobachten, da sie hier die vorherrschende Thermik ausnutzen um über die Ostsee fliegen zu können.

Neben Vögel fühlen sich auch andere Tierarten zuhause. So findet man bei den Amphibien hier im Buchenwald die Rotbauchunke (Bombina bombina) die laut dem Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützt Art.

Neben den seltenen Tieren, finden auch seltene Pflanzen im Buchenwald ein Zuhause. Neben den bereits erwähnten Frauenschuh, finden auch Bäume wie die Holzbirne (Pyrus pyraster) oder die Elsbeere (Sorbus torminalis).

Verhaltens-Knigge im Nationalpark Jasmund 

Der Buchenwald reicht auf Jasmund bis zum Küstenrand und konnte aufgrund dieser unzugänglichen Lage kaum vom Menschen beeinflusst werden. Die hier nahezu senkrechten nach unten fallenden Kreidewände wechseln mit Steilhängen. Jedoch ist es möglich am Kieler Bach dank einer Treppe vom Hochuferweg zum Strand hinabzusteigen.


Die Kreidemilch ist gut zu erkennen


Da das Kreidekliff dem natürlichen dynamischen Prozessen der Ostsee ausgesetzt ist, brechen ab und an Kreidemassen vom Kliff ab und stürzen in die Tiefe. Das Material wird dann weiter durch die Wellen der Ostsee bearbeitet. Hierbei wird das tiefblaue Wasser der Ostsee milchig-weiß gefärbt. Man spricht auch hier von einer „Kreidemilch”.

Es ist also IMMER Vorsicht geboten, wenn man sich oberhalb eines Kliffrandes befindet. Zudem gibt es noch weitere Regeln, die man jederzeit als Besucher befolgen sollte:

  • Im Nationalpark gilt ein Wegegebot. Das bedeutet: Bleibe auf den beschilderten Wanderwegen.
  • Hinterlasse kein Müll im Wald, sondern nimm alles mit, was Müll hinterlässt. Noch besser, nimm auch Müll mit, der nicht von dir ist.
  • Hund immer an der Leine
  • Nimm nichts aus dem Nationalpark mit, was von Natur aus dorthin gehört. Jedes Tier und jede Pflanze hat seinen Platz im Kreislauf der Natur im Schutzgebiet. Dies gilt besonders auch für Beeren und Pilze.
  • Kein Feuer im Nationalpark
  • Wegen Waldbrandgefahr sollte man auch das Rauche möglichst unterlassen, vor allem in der Zeit 15. Februar bis 31. Oktober

Impressionen


Touren und Tipps

Wandertour: auf dem Hochuferweg zum Königsstuhl

Der Hochuferweg Sassnitz-Königgstuhl ist die bekannteste Verbindung zwischen Sassnitz und dem Königstuhl. Viel Zeit sollte man sich bei dieser Wanderung mitnehmen, denn an jeder Ecke warten immer wieder tolle Ausblicke, die zum Verweilen einladen

Anfahrt
    • Regionalbus: Bushaltestelle Wedding / Sassnitz, von dort in die Weddingstraße gehen, dort befindet sich auf der linken Seite der offizielle Einstieg des Hochuferweges Sassnitz – Königsstuhl.
Einkehrmöglichkeit
    • Auf dem Hochuferweg gibt es keine Einkehrmöglichkeit, entweder vor der Wandertour in Sassnitz oder danach beim Königsstuhl einkehren
Schwierigkeitsgrad und Wegbeschaffenheit
    • Vorwiegend Waldwege
    • Vorsicht bei Wegen, die in der Nähe der Kliffkante liegen, Abbruchgefahr!
    • Trittsicherheit ist empfehlenswert


Wandertour: von Lohme zum Königsstuhl

– Vom kleinen Fischerdorf Lohme, das im Norden der Halbinsel Jasmund liegt, führt eine schöne Wanderung zum Königsstuhl. Hier sind die Wege nicht so stark frequentiert, wie beim Hochuferweg Sassnitz-Königsstuhl

Anfahrt
    • Regionalbus: Buslinie 14 Sassnitz – Kap Arkona, Bushaltestelle Lohme, von dort in die Arkonastraße gehen bis zum Ende gehen (Eingang Nationalpark Jasmund) , von dort den rechten Weg folgen 
Einkehrmöglichkeit
    • Auf dem Hochuferweg gibt es keine Einkehrmöglichkeit, entweder vor der Wandertour in Lohme oder danach beim Königsstuhl einkehren
Schwierigkeitsgrad und Wegbeschaffenheit
    • Vorwiegend Waldwege
    • Vorsicht bei Wegen, die in der Nähe der Kliffkante liegen, Abbruchgefahr!
    • Trittsicherheit ist empfehlenswert


Wandertour: von Hagen zum Königsstuhl

– dieser Weg gehört zu den Klassikern unter den Wanderwegen, die zum Königsstuhl führen, um den Rückweg interessanter zu gestalten, sollte man mit einem Abstecher zur Victoriasicht über Kollicker Ufer auf dem Nebenwanderweg „Kollicker Ort” den Rückweg antreten –

Anfahrt
    • Regionalbus: Buslinie 19 Sassnitz – Lohme, Bushaltestelle Hagen Parkplatz, von dort den ausgeschilderten Weg in Richtung  Königsstuhl gehen
Einkehrmöglichkeit
    • In Hagen oder beim Königsstuhl gibt es Einkehrmöglichkeiten 
Schwierigkeitsgrad und Wegbeschaffenheit
    • Vorwiegend Waldwege


Fahrradtour: Einmal um den Jasmund herum (mit Buchenwald)

– diese Radtour habe ich 2021 mit meinem alten Rad „Patchwork” gemacht. Es war teilweise etwas anstrengend und abenteuerlich, da nicht jeder Weg für mein Rad geeignet war. Aber dafür gab es viel Wald zu erleben

Anfahrt
    • Mit dem Fahrrad kann man problemlos mit der Regionalbahn bis nach Lietzow (Rügen), von dort aus startet man dann seine Rad-Rundtour.
Einkehrmöglichkeit
    • In Lohme, beim Königsstuhl oder in Sassnitz gibt es Einkehrmöglichkeiten
Schwierigkeitsgrad und Wegbeschaffenheit
    • Waldwege, gute ausgebaute Fahrradwege und altes Pflastersteine


Quellen und lesenswerte Links

Hier findest du einige interessante Links, die dich tiefer in den Buchenwald und in den Nationalpark Jasmund bringen:


Warst du schon einmal im Buchenwald auf der Halbinsel Jasmund? Wie hat er auf dich gewirkt? Welche interessanten Tiere oder Pflanzen konntest du dort entdecken?

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin Zoe - eine naturverrückte diplomierte Gestein- und Fossilienliebhaberin, die das Wandern nicht lassen kann. Per Fuß oder per Rad. Hauptsache draußen und Natur entdecken und ja - Steine gehören bei mir einfach dazu. Ich freue mich auf einen regen Austausch, Ideen und Kommentare. Liebe Grüße, Zoe

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Vortrag von: Nina Mühl (Zoe), Dipl.-Geologin

Ort: Schleifmühle, Schleifmühlenweg 1, 19061 Schwerin

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Headerbild Dezember 2021: Harzklippen, südlich von Gernrode, 2018

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