Küstenwälder in MV Pflanzen

Küstenwälder von Mecklenburg-Vorpommern: der Darßer Urwald

Von
am
30. Juni 2021

„The clearest way into the Universe is through a forest wilderness.“

© John Muir (1838 – 1914), schottisch-US-amerikanischer Naturphilosoph und Autodidakt

Nachdem ich im Rahmen des Aktionstages „Internationaler Tag der Wälder“ bereits den Artikel Ostsee trifft Wald — Die Küstenwälder von Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht habe, möchte ich nochmals die dort erwähnten Küstenwälder im Einzelnen vorstellen. In diesem Artikel stelle ich den Küstenwald Darßer Urwald vor:

Ich und der Küstenwald Darß

Zum ersten Mal habe ich den Darß im Herbst 2020 betreten. Zur Vorbereitung auf meine 7-tägige Ostseeküstenradweg-Tour habe ich auf dieser Halbinsel einige Radtouren, aber auch Wandertouren gemacht. So habe ich auch unter anderem den Darßer Urwald kennengelernt.


Ein Weg durch den Darßer Urwald


Der Wald im Nationalpark

Der Darßer Wald gehört mit seiner 5800 Hektar großen Fläche zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Der Darßer Wald liegt auf der gleichnamigen Halbinsel Darß, die zusammen mit Fischland und Zingst das Halbinselkollektiv Fischland-Darß-Zingst bildet.

Der Darßer Wald kann man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad betreten. Es gibt aber auch Bereiche wie die 54 Hektar große Wiese Buchhorster Maase, die man nur in Begleitung eines Nationalpark-Rangers im Rahmen einer Führung betreten werden darf.


Das Landschaftsbild des Darßer Waldes

Der Darßer Wald ist vor allem durch seine Reffen (wallartige Bildungen) und Riegen (Niederungen) geprägt, die hauptsächlich in Ost-West-Richtung den Wald durchziehen. Vor allem auf dem Neudarß (der nördliche Teil der Halbinsel Darß) ist dieses Landschaftsbild gut im Wald zu beobachten.

Die Reffen sind dabei größtenteils mit Kiefern, Stieleichen oder Rotbuchen bewachsen, die Riegen eher mit feuchtliebenden Bäumen wie z.B. Erlen.

Wo ein Küstenwald ist, ist der Strand nicht weit. Wie der Darßer Wald, hat auch die Darßer Westküste einen “urigen” Charme. Denn weit weg von jeglichen Verkehr und nur zu Fuß erreichbar hat sich der Wald und sein Strand seine Natürlichkeit und dadurch etwas Magisches bewahren können.


Der “urige” Darßer Weststrand im Herbst


Auf dem etwa 14 Kilometern langen Strand kann man lange Strandspaziergänge machen. Seine Dünen sind etwa 80 bis 100 Metern breit, erst dann beginnt dahinter der Darßer Küstenwald.

Geologie und Paläontologie

Der Darßer Weststrand und auch der hier direkt an der Küste stehende Wald unterliegt einer ständigen Veränderung. Dank der Westwinde und der Wellen werden hier Sand abgetragen und durch Strömungen wieder an der Spitze des Neudarßes abgelagert. So wächst die Nordspitze Jahr für Jahr, während der Küstenbereich bei Ahrenshoop und nördlich davon weiter abgetragen wird.

Wenn man Glück hat, kann man an der Westküste Bernstein finden. Dieses fossile Harz ist sehr beliebt bei Strandbesuchern, jedoch sollte man es nicht dem ähnlich aussehenden weißen Phosphor verwechseln. Der Phosphor stammt noch von Munitionsresten und Brandbomben aus dem 2. Weltkrieg. Weißer Phosphor löst sich im Wasser nicht auf, daher werden bis heute immer wieder Stücke dieser gefährlichen Substanz angespült.

Gefährlich ist weißer Phosphor, sobald er trocken ist, denn bei einer Lufttemperatur zwischen 20 °C und 40 °C entzündet es sich selbst. Daher, nicht sofort ein vermeintliches gefundenes Stück Bernstein in die Hosentasche stecken, sondern eher separat in einem Beutel oder Behältnis aufbewahren

Mehr über Bernstein und wie die ihn von Phosophor untersheiden kannst erfährst du hier.

Fauna und Flora des Darßer Waldes

Häufig ist von einem „Urwald” die Rede, wenn man vom Darßer Küstenwald spricht. Um das zu erklären, muss man einfach diesen Wald einmal aufsuchen.

Typisch für den Darßer Urwald ist der Bewuchs mit Adlerfarn (Pteridium aquilinum), der dem Wald das urwaldähnliche Aussehen und so letztendlich seinen Namen verleiht.


Beispiel eines Adlerfarns


Neben den Adlerfarn gibt es hier auch Kiefern (Gattung Pinus), Stieleichen (Quercus robur), Rotbuchen (Fagus sylvatica) und Erlen (Gattung Alnus), die prägend für den Wald sind. Auffällig hier vor allem direkt an der Grenze zwischen Strand und Wald die bizarr gewachsenen Kiefern, die durch den stetigen Westwind zu “Windflüchtern” geformt wurden.


Da ein Hirsch!


Tierfreunde und -beobachter schätzen vor allem den Randbereich des Darßer Waldes. Denn hier kann man tolle Beobachtungen von Rothirschen bei der Brunftzeit (Anfang September – Ende Oktober) machen. Neben diesen Beobachtungen kann man auch im Herbst die Kraniche (Grus grus), die nach Süden ziehen, von einem der Aussichtstürme wunderbar beobachten.

Zusätzlich wissen Naturfreunde das kleine Natureum beim Darßer Leuchtturm zu schätzen. In diesem kleinen Museum erfährst du alles über die Darßer Landschaft und die Küstendynamik.

Dazu gibt es noch weitere Ausstellungen zum Themen Fauna, Flora und typische Strandfunde. Dazu gesellt sich auch ein Bernsteinkabinett. Etwas besonderes im Natureum ist das Diorama, das den Darßer Wald bei Nacht zeigt und ein Aquarium, das mehr als einheimische 30 Fischarten und wirbellose Tiere beinhaltet.


Bilder einer Freiluftausstellung


Auch draußen auf dem Innenhof des Darßer Ortes werden regelmäßig Fotoausstellungen zu dem Thema Darßer Natur gezeigt.

Verhalten im Darßer Urwald

Der Darßer Urwald liegt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und damit unterliegt er einem besonderen Schutz. Hier sind ein paar wichtige Regeln, die jeder Besucher beim Betreten des Darßer Urwaldes beachten sollte:

  • In der Kernzone des Nationalparks ist Wegegebot; d. h. man bleibt auf dem markierten Weg
  • Keine Pflanzen und Pilze beschädigen oder mitnehmen!
  • Keine Tiere stören!
  • Kein Lärm!
  • Flugverbot von Drohnen!
  • Das Übernachten im Wald außerhalb von Campingplätzen und Gebäuden ist verboten!
  • Hunde müssen jederzeit an der Leine laufen!
  • Kein Feuer entzünden!

Impressionen

Touren und Tipps // Darßer Urwald

Allgemeine Tipps
Anfahrt
    • Regionalbus (für Wanderer): die zum Darßer Urwald nächsten Bushaltestellen in Born (Drei Eichen / Mitte / Einkaufszentrum) und in Prerow, Regenbogencamp
    • Regionalzug (für Fahrradfahrer): Auf Fischland-Darß-Zingst gibt es keine Bahnverbindung, der nächstgelegene Bahnhof liegt in Ribnitz-Damgarten und Barth
Schwierigkeitsgrad und Wegbeschaffenheit
    • hauptsächlich Waldwege, teilweise sandig
    • für Familien und Wanderanfänger geeignet
Einkehrmöglichkeiten
    • Auf dem Darß gibt es ein Cafe „Im Leuchtturm”
    • In Born und im Ostseebad Prerow gibt es einige Einkehrmöglichkeiten

Wanderrundtour: Urwald und Weststrand

– Eine Tour für alle, die sich einen ersten Einblick vom Darßer Urwald und dem Weststrand machen möchten –

Anfahrt
    • Regionalbus: Bushaltestelle Born, Drei Eichen


Wanderrundtour: von Born am Darß nach Prerow

– Bei dieser Tagestour geht es von Süden nach Norden durch den Darßer Urwald –

Anfahrt
    • Regionalbus: Bushaltestelle Born, Mitte (bei der Touristeninformation)

Wandertour: Wandern auf dem Darß

– diese schöne Rundtour habe ich im Spätherbst 2020 gemacht (Blogartikel hier klicken), man lernt dabei vor allem den Küstenbereich des Darßes und Neudarß kennen –

Anfahrt (mit dem Fahrrad)
    • Osteingang (Nähe des Nothafens). Schranken weisen darauf hin, das man ab hier nur zu Fuß den Nationalpark betreten darf. Fahrräder können beim Osteingang abgeschlossen werden


Quellen und Lesenswerte Links

Hier findest du einiges an Lesestoff über den Darßer Urwald:

Warst du schon einmal im Darßer Urwald? Welchen Eindruck hat dieser urige Küstenwald auf dich gemacht?

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin Zoe - eine naturverrückte diplomierte Gestein- und Fossilienliebhaberin, die das Wandern nicht lassen kann. Per Fuß oder per Rad. Hauptsache draußen und Natur entdecken und ja - Steine gehören bei mir einfach dazu. Ich freue mich auf einen regen Austausch, Ideen und Kommentare. Liebe Grüße, Zoe

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