Phänologie
Wetter & Klima

Der Phänologische Kalender

Von
am
Februar 17, 2018

“Das Wetter richtet sich nach der Jahreszeit – doch woher weiß es Bescheid?”
– Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker

Ohne ihn wäre mein Leben ein pures Chaos: der Kalender.

Tage, Wochen und Monate eines Jahres habe ich dank ihm im Überblick behalten. Ich kann mir wichtige Termine in ihm vermerken, Geburtstage eintragen aber auch Dinge notieren, die ich an bestimmten Tagen nicht vergessen möchte. Alles im allem ein sehr nützliches Werkzeug.

Im Kalender (eigentlich “Gregorianischer Kalender”) stehen neben meinen eigenen Eintragungen oft schon die gesetzliche Feier- und Ferientage der Bundesländer und auch die Anfänge der verschiedenen Jahreszeiten (z.B. “Fühlingsanfang”). Doch fangen die jeweiligen Jahreszeiten immer an den Datum an, wann es angegeben ist?!

Hält sich die Natur an solche fixe Daten?

Eher nicht.

Wir können aber die Jahreszeiten in der Natur auch ohne fixe Daten bestimmen. Wir müssen nur einen anderen Kalender verwenden: den Phänologischen Kalender.

Der Phänologische Kalender 

Das Wort “Phänologie” heißt wörtlich übersetzt “Die Lehre von den (natürlichen) Erscheinungen”.

Nicht wie bei einem normalen Kalender, werden die Jahreszeiten einfach in den klassischen Jahreszeiten “Frühling”, “Sommer”, “Herbst” und “Winter”, sondern in ganze 10 Jahreszeiten eingeteilt. Diese werden jeweils mit einer Leitphase eröffnet.

Diese Leitphasen befassen sich mit dem periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen, die als “Zeigerpflanzen” bezeichnet werden. Sie zeigen den Beginn oder das Ende einer jeweiligen Jahreszeit an.

Diese 10 Jahreszeiten sind jeweils hier kurz erläutert:

Hinweis: Die hier aufgezeigten Jahreszeiten gelten jedoch nur für Mitteleuropa. Für andere Regionen gelten natürlich andere Zeigerpflanzen und dadurch auch andere Jahreszeiten, da es möglich ist, das einige Jahreszeiten nur kurz oder gar nicht auftreten können.

Um sich einen Überblick über die einzelnen Jahreszeiten im Zusammenhang zu machen, wird gerne die “Phänologische Uhr” verwendet. Beispiele findest du hier, hier und hier.

Tiere als phänologische Anzeiger

Bei der Phänologie werden nicht nur die Veränderungen in der Flora erfasst, sondern auch das Verhalten von Tieren kann Aufschluss über die 10 Jahreszeiten zeigen.

Beispiel dafür wären:

  • das erste Fliegen der Bienen
  • die ersten Schmetterlinge im Jahr
  • der erste Kuckucksruf
  • die ersten Maikäfer
  • Vogelzug
  • Balzverhalten usw.

Die Tierbeobachtungen dienen hier als Ergänzung oder als Ersatz für fehlende “Zeigerpflanzen”, falls diese im Beobachtungsgebiet fehlen sollten. Sie können aber auch als Überbrückung zwischen zwei phänologischen Jahreszeiten hilfreich sein.

Also Augen auf!

Wozu braucht man den phänologischen Kalender?

Führt man in einer Region jahrelange oder sogar jahrzehntelange phänologische Beobachtungen durch, kann man Rückschlüsse auf das Klima beziehen.

Die erfassten Daten (“Phänometrie”) sind durch ihre Langzeitbeobachtung ein wichtiges Hilfsmittel für die Klimawandelforchung geworden. Denn hier lässt sich direkt am Beobachtungsobjekt eine Entwicklung feststellen und daraus ist es möglich Klima- und Wettermodelle für die Zukunft zu erstellen.

Doch nicht nur für die Wissenschaft ist der phänologische Kalender von Bedeutung. Auch Gärtner und Landwirte können von diesem Kalender profitieren, der doch recht zuverlässig und unabhängig von Kalenderdaten oder Region ist. Hier ist nur eine gute Beobachtungsgabe und natürlich die Kenntnis der Zeigerpflanzen in der jeweiligen Jahreszeit nötig.

Der “Phänologische Beobachter”!

Das Thema “Phänologie” fetzt!!! Ich bin Feuer und Flamme für dieses spannende Thema.

Seit ich mich damit beschäftigte, schaue ich mich nach den “Zeigerpflanzen” um und springe vor Freude in die Luft, wenn ich so eine spezielle Pflanze entdecke. Wer hätte das gedacht dass, das ich mich auch mal intensiver mit Flora als mit Fauna und Gesteinen auseinandersetze – dennoch bleibe ich natürlich weiterhin der Geologie und Zoologie treu.

Wie sieht es bei dir aus? Geht es dir genauso wie mir?

Hast du bereits ein paar phänologische Beobachtungen in diesem Jahr gemacht? Oder beobachtest du schon von einem Standort her schon eine ganze Weile bzw. Monate oder Jahrelang die Natur? Dann melde dich doch beim Deutschen Wetterdienst (DWD) als zukünftiger “Phänologischer Beobachter” und leite dort deine Beobachtungen weiter.

Die “Phänologischen Beobachter” sind ehrenamtliche Mitarbeiter in ganz Deutschland verteilt. Sie sammeln über das ganze Jahr phänologische Daten für den DWD.

Bei Interessen einfach hier auf den Link klicken und schauen, in welchem Gebiet noch Beobachter gesucht werden – vielleicht ist ja auch dein Gebiet dabei?!

Sobald man als phänologischer Beobachter beim DWD registriert ist, erhält man eine Anleitung zur Erfassung der phänologischen Daten und das Beobachten kann schon losgehen.

Für diese ehrenamtliche Tätigkeit wird sogar eine Aufwandsentschädigung von 230 € gezahlt (Stand: Februar 2018).

Quellen und lesenswerte Links

Im Netz gibt es unzählige Webseiten, die sich mit der Phänologie beschäftigen. Hier ist eine kleine aber feine Auswahl, die ich lesenswert finde:


Was sind deine phänologischen Beobachtungen in diesem Jahr? Bist du vielleicht phänologischer Beobachter und kannst über deine Arbeit erzählen? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

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