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Der phänologische Kalender: der Vollherbst

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25. Oktober 2020

“Herbst: Anderswo ist Frühling.”
Walter Ludin (*1945), Schweizer Journalist, Redakteur, Aphoristiker und Buchautor, Mitglied des franziskanischen Ordens der Kapuziner

Jetzt wird es bunt!

Überall beginnt die Blattverfärbung und die ersten Kastanien und andere Früchte fallen zu Boden. Die Tage werden kürzer und kälter. Klarer Fall: der Herbst ist da!

Wie bereits im Blogartikel “Phänologischer Kalender” beschrieben, gibt es in der Phänologie keine vier, sondern 10 Jahreszeiten, die nach den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen unterschieden werden.

In der Phänologie werden drei Herbstjahreszeiten unterschieden: Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst. Hier stelle ich nun im Detail die achte Jahreszeit vor: der Vollherbst.

Typisch Vollherbst!

Der meteorologische Herbst auf der Nordhalbkugel beginnt am 1. September und endet am 30. November. Der astronomische Herbst dagegen beginnt hier erst am 22. oder 23. September und endet am 20. oder 21. Dezember.

Aus den verschiedenen Grüntönen der Blätter scheinen jetzt Gelb-, Braun- und Rottöne hindurch. Neben der Blattverfärbung bei Laubbäumen kann man auch an der Lärche – als einziger einheimischer Nadelbaum – eine Nadelverfärbung erkennen. (Näheres zum Blattfarben-Phänomen hier klicken)

Neben der Laubfärbung der Bäume, verwandeln sich auch viele Gärten in ein Blumenmeer. Hier blühen die Astern als häufigste Blume in den unterschiedlichsten Farben.

Auch das Wetter ändert sich spürbar. Temperatur und Luftdruckunterschiede zwischen den warmen subtropischen und kalten polaren Breiten verschärfen sich in der kälter werdenden Jahreszeit. Herbststürme sind jetzt keine Seltenheit. Auch nachts sinken die Temperaturen deutlich; nicht selten im einstelligen Bereich.

Zeigerpflanzen des Vollherbstes + Beobachtungstipps

Es wird kälter und man könnte meinen, die Natur bereitet sich auf den Winter vor, doch auch jetzt kann der Mensch von der späten Reife einiger Früchte noch profitieren. Jetzt im Herbst Vollherbst kann noch ein Hauch Sommer in der Luft (“goldender Oktober”). Auch einige Obstfrüchte kann man noch im Herbst ernten.

In der Phänologie werden drei Herbstjahreszeiten unterschieden: Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst. Mit Hilfe sogenannter “Zeigerpflanzen” wird die jeweilige Jahreszeit bestimmt.

Ich stelle dir hier typische Zeigerpflanzen des Vollherbstes vor, die man in der Bundesrepublik Deutschland finden kann.

Stieleiche (Quercus robur)

Die Fruchtreife der Eicheln der Stieleiche markieren den Anfang des Vollherbstes. In Deutschland gehört die Stieleiche zu den bekanntesten Eichen-Arten. Daneben gibt es noch die Traubeneiche (Quercus petraea), Flaumeiche (Quercus pubescens), Sumpfeiche (Quercus palustris) und die Zerreiche (Quercus cerris).

Eine Stieleiche kann man gut von den anderen Eichen-Arten anhand ihres Blattes unterscheiden. Das Blatt hat die Form einer Raute und ist deutlich gelappt. Die Einbuchtungen dabei sind recht tief und die Blattadern auf der Unterseite zeigen zu den Einbuchtungen. Der Blattstiel ist sehr kurz.

Beobachtungstipps
  • Man sollte jetzt im Vollherbst nicht unbedingt unter Eichen stehen. Beim jedem Windhauch könnten viele Eicheln auf einmal runterfallen und eine Eichel am Kopf abbekommen kann sehr sehr weh tun (Ich spreche aus eigener Erfahrung!)
  • Eicheln kann man essen – aber bitte nicht roh! Hier ein interessanter Artikel, wie man Eicheln verwerten kann: Kann man Eicheln essen? Was du wissen solltest
  • Die ältesten Eichen Deutschlands stehen in Mecklenburg-Vorpommern. Sehr imposante Bäume, die man jetzt in der “bunten Jahreszeit” besuchen sollte. Hier ein Artikel über meinen Besuch der Ivenacker Eichen.

Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Steht die Fruchtreife der Rosskastanie an, dann haben wir Vollherbst. Die vom Baum gefallenen Kastanien sollte man sammeln, denn sie eignen sich wunderbar als umweltfreundliche Waschmittelalternative zu den konventionellen chemischen Mitteln (Hier das Rezept zum Kastanien-Waschmittel).

Kastanien

Die Rosskastanie sollte man nicht mit der eßbaren Edelkastanie (Castanea sativa) verwechseln. Der Name stiftet hier ein wenig Verwirrung, denn trotz des Namens “Kastanie” sind beide Baumarten nicht miteinander verwandt. Die Edelkastanie wird zu der Familie der Buchengewächsen (Fagaceae) gezählt, während die Rosskastanie zur Familie der Seifenbaumgewächsen (Sapindaceae) gehört.

Beobachtungstipps
  • Kastanienbäume kann man sowohl in Parks, als Solitärbäume auf Plätzen als auch im Wald finden.
  • Rosskastanien-Blätter lassen sich anhand ihrer gefingerten Form leicht von anderen Bäumen unterscheiden
  • Wer gerne das Sammeln von Kastanien liebt und dabei noch etwas gutes tun möchte, sollte die gesammelten Früchte an Wildparks abgeben. Kastanien (und auch andere Früchte wie Eicheln u.ä.) werden gerne von Wildparks angenommen, da diese für die Wildtiere eine willkommende nährstoffreiche Nahrungsquelle sind.

Europäische Lärche (Larix decidua)

Dieser Baum ist der einzige einheimische Nadelbaum, der im Herbst seine Nadeln abwirft. Wenn die Nadeln sich noch vorab goldgelb verfärben, ist das ein Zeichen dafür, das der Vollherbst da ist.

Ursprünglich im Gebirge zu Hause, findet man die Lärche auch vermehrt im Flachland wieder. Extreme Witterung, wie sie in den Hochgebirgslagen herrschen, machen diesem Baum wenig aus. Er wächst bis zu einer Höhenlage von etwa 2500 m ü. NHN.

Beobachtungstipps
  • Nadelbaum, der im Vollherbst seine Nadel goldgelb verfärbt und anschließend verliert? Klarer Fall – eine Lärche!
  • Lärchenholz ist das schwerste und härteste Nadelholz unter den einheimischen Nadelbäumen.

Echte Walnuß (Juglans regia)

Lecker und gesund. Die Nuss der Walnuss ist reich an Kalium und Zink. Zink und Kalium. Dazu enthält sie noch Spurenelemente wie Magnesium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Calcium und die Vitamine A, B1, B2, B3, C und Pantothensäure. Eine wahres einheimisches “Superfood”.

Jetzt im Vollherbst reifen die Nüsse und man sollte sich mit der Ernte beeilen, denn auch Eichhörnchen und anderen Tiere schätzen die Nuss als Nahrungsquelle.

Beobachtungstipps
  • Die Walnuss ist eßbar und findet sich als Zutat vor allem bei vielen Süßspeisen (Krokant, Walnusseis, Kuchen u.ä.) wieder
  • Mit Hilfe der Blättern, der grünen Fruchtschale und der Rinde lässt sich ein brauner Farbstoff gewinnen, der “Juglon” bezeichnet wird

Quellen und lesenswerte Links

Hier erhälst du weitere Informationen und Lesestoff zur phänologischen Jahreszeit “Vollherbst” und den Anzeigerpflanzen:


Wie erlebst du den Vollherbst? Welche Anzeigerpflanzen hast du entdeckt? Hast du Kastanien, Eicheln oder Walnüsse gesammelt? Was hast du aus deiner Sammlung gemacht? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin Zoe - eine naturverrückte diplomierte Gestein- und Fossilienliebhaberin, die das Wandern nicht lassen kann. Per Fuß oder per Rad, hauptsache draußen und Natur entdecken - und ja Steine gehören bei mir einfach dazu. Ich freue mich auf einen regen Austausch, Ideen und Kommentare. Liebe Grüße - Zoe

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