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Der Phänologische Kalender: der Hochsommer

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am
Juli 30, 2019

“O Frühling, holder fahrender Schüler,
Wo zogst du hin? Die Linden blühn,
Die Nächte werden stiller, schwüler,
Und dichter schwillt das dunkle Grün. (Auszug aus “Hochsommer”)”
– Hermann Ritter von Lingg (1820 – 1905), deutscher Dichter und Mediziner

Heiß. Heißer. Hochsommer.

Schönes Wetter. Blauer Himmel. Die Temperaturen steigen oft bis über 30°C. Für viele hat auch die Urlaubszeit und damit die schönste Jahreszeit begonnen.

Wie bereits im Blogartikel “Phänologischer Kalender” beschrieben, gibt es in der Phänologie keine 4 sondern 10 Jahreszeiten, die nach den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen unterschieden werden. Hier stelle ich nun im Detail die fünfte Jahreszeit vor: der Hochsommer.

Typisch Hochsommer!

Mit dem (Hoch)sommer verbindet man vor allem ein sonniges Wetter. Es herrschen Wetterlagen, die wesentlich durch Hochdruckphasen bestimmt sind. Diese werden aber häufig durch regional liegende Tiefdruckgebiete – meist in Form von Gewittern – unterbrochen.

Die Durchschnittstemperatur liegt laut den Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes in den Sommermonaten Juni/Juli/August bei etwa 20°C. Doch in den letzten Jahren hat sich gezeigt, das der Sommer in Deutschland zu warm und vor allem zu trocken war. Diese langanhaltene Trockenheit führt häufig zu einer Waldbrandgefahr, die man nicht unterschätzen sollte. Der Klimawandel grüßt.

Doch neben den Temperatur hilft auch ein Blick in die Botanik, ob wir bereits Hochsommer haben. Blüht die Sommer-Linde, die Kartoffel und die Wegwarte, dann ist der Hochsommer da.

Die Gärtner freuen sich über die ersten Johannisbeeren und Süßkirschen, die jetzt geerntet werden können und in der Landwirtschaft beginnt der Hochsommer mit der Getreideernte der Wintergerste. Danach folgt die Ernte des Winterrapses und des Winterweizens. Das Ende des Hochsommers wird durch die Ernte des Hafers und Winterroggen eingeleitet.

Die Gemeine Wegwarte (Cichorium inytbus)

Diese Pflanze mit ihren hellblauen Blüten findet man an Straßen- und Wegrändern. Ihren Namen verdankt sie ihrer Eigenschaft, ihre Blüten nur morgens von etwa 6 bis 11 Uhr zu öffnen.

Früher wurde die Wurzel geröstet und als Kaffee-Ersatz (“Muckefuck”) verwendet. Und auch die Kulturformen der Wegwarte wie Chicorée, Endivie und Radicchio sind bekannt. Und sogar in der Literatur wurde ihr jeweils ein Gedicht vom Heidedichter Hermann Löns und von der Schriftstellerin Isolde Maria Klara Kurz gewidmet.

Aufgrund das die Gemeine Wegwarte so vielfältig verwendbar ist, wurde sie 2005 zum “Gemüse des Jahres” und 2009 zur “Blume des Jahres” gewählt. 2020 wird ihr die Ehre als “Heilpflanze des Jahres” zuteil. Doch ihr Bestand ist gefährdet. In einigen Bundesländern steht die Wegwarte bereits auf der Roten Liste.

Beobachtungstipps

  • Wegwarte ist häufig an Straßen und Wegrändern zu beobachten
  • Alte Wetterregel sagt: “Kannst du in die blauen Augen der Wegwarte schau`n, darfst du auf anhaltend Schönwetter bau`n” – Wegwarte kann also ein Schönwetterbote sein
  • Selten kann man bei der Wegwarte auch weiße Blütenblätter beobachten

Sommer-Linde (Tilia platyphyllos)

Bei der Sommer-Linde handelt es sich um Bäume, die zwischen 30 und 40 m hoch werden können. Leicht kann die Sommer-Linde mit der Winterlinde verwechselt werden. Um sie unterscheiden zu können, sollte man auf die Blätter genauer unter die Lupe nehmen. Die Blätter und der Blattstiel der Sommer-Linde sind beiseitig beharrt, während die Blattoberseite und der Blattstiel unbehaart sind.

In der Germanischen Mythologie wurde die Linde als der Götting Freyas geweihten Baum verehrt. Freya war die Göttin der Liebe, des Glücks, der Fruchtbarkeit und so wurde auch dem Baum positive Eigenschaften zugesprochen.

(Die Linden-Blüte habe ich leider verpasst, daher zeigt das Bild keine Blüte, sondern bereits entwickelte Früchte)

Beobachtungstipps

  • Sommerlinde (und auch Winterlinde) sind häufig als Park- und Alleenbäume oder als Einzelbaum auf alten Dorfplätzen zu finden
  • Lindenbäume können sehr alt werden, daher sind viele als Naturdenkmäler ausgezeichnet.
  • Als ältesten Baum Deutschlands wird eine Sommerlinde vermutet, die in Schenklengsfeld / Hessen steht

Die Vogel-Kirsche (Prunus avium)

Die Vogel-Kirsche ist die wilde Form der kultivierten Süßkirsche. Der Name “Vogel” bezieht sich auf den lateinischen Art-Namen “avium” (deutsch: Vogel) und meint damit, dass die Frucht vor allem von Vögeln gefressen wird.

Doch auch wir Menschen schätzen die Frucht sehr und so ist es nicht verwunderlich, das es neben dem Apfel, die Kirsche zu dem bedeutestend Obstanbau in Deutschland gehört.

Bei Imkern ist der Nektar der Süßkirscheblüten eine geschätzte Blütentracht, da der Nektar einen hohen Zuckergehalt aufweist.

Beobachtungstipps

  • Süßkirschenbäume sind oft Bestandteil von Streuobstwiesen
  • Teure Möbel bestehen oft aus dem rötlichen Kirschbaumholz
  • In Japan wird der Beginn des Frühlings mit dem Kirschblütenfest (“Hanami”) gefeiert, jedoch handelt es sich hier um keine Süßkirsche, sondern einem Zierbaum

Quellen und lesenswerte Links


Wie erlebst du den Hochsommer? Zu heiß? Zu kalt? Welche typischen phänologischen Entdeckungen hast du gemacht? Hinterlasse hier ein Kommentar oder sende mir eine Email.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!

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