Winterlinge
Wetter & Klima

Der Phänologische Kalender: Der Vorfrühling

Von
am
15. März 2018

“Ein heller Märzentag
Vögel fröhlich singen
Wie weit die Lust wohl reichen mag
Wenn Blumen aus der Erde dringen.”
– Monika Minder (*1961), Webdesignerin und Lyrikerin

Am 1. März war es offiziell: Frühlingsanfang.

Jedenfalls, wenn man nach der Meteorologie gehen würde. Geht man nach dem Kalender, müssen wir uns noch knapp eine Woche gedulden, bis der Frühling anfängt.

Doch hält sich eigentlich die Natur an solche fixe Daten?

Eher nicht.

Auch die vier Jahreszeiten sind eher nur eine ganz grobe Einteilung der Jahreszeiten. Diese kann man jedoch noch genauer unterteilen. Dazu verwendet man nicht den normalen Kalender – auch “Gregorianischer Kalender” genannt – sondern den “Phänologischen Kalender”.

Wie bereits im Blogartikel “Phänologischer Kalender” beschrieben, gibt es in der Phänologie keine 4 sondern 10 Jahreszeiten, die nach den periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen von Pflanzen unterschieden werden.

Hier stelle ich nun im Detail die erste Jahreszeit vor: der Vorfrühling

Typisch Vorfrühling!

Als grober Zeitraum wird der Vorfrühling zwischen Mitte Februar und Mitte März definiert. Doch kann der Vorfrühling auch bereits im Dezember auftreten, da im Allgemeinen diese Jahreszeit sehr starken Temperaturschwankungen ausgesetzt ist.

Der Vorfrühling beginnt, wenn Schneeglöckchen und die Haselnuss anfangen zu blühen. Auch die Aussaat des Sommergetreides ist ein Anzeichen dafür, dass der Vorfrühling begonnen hat.

In diesem Zeitraum treten auch häufig Hochdruckwetterlagen auf, die uns ein sonniges Wetter bringen. Hierbei können die Temperatur kräftig ansteigen, wobei es nachts allerdings noch recht kalt bleibt und Bodenfrost daher keine Seltenheit ist.

Der Vorfrühling geht zu Ende, wenn die Blüten der Weidenkätzchen eine gelbe Farbe annehmen. Dann beginnt die Jahreszeit des Erstfrühlings.

Zeigerpflanzen des Vorfrühlings + Beobachtungstipps

Die ersten Zeigerpflanzen bahnen sich bereits ihren Weg nach oben, auch wenn noch eine Schneedecke über ihnen liegt. Und auch in der Tierwelt – vor allem in der Vogelwelt – merkt man doch durch Gesang und auffälliges Balzverhalten eine steigende Aktivität. Der Vorfrühling ist jetzt da.

In der Phänologie werden hauptsächlich sogenannte “Zeigerpflanzen” zur Bestimmung der jeweiligen Jahres verwendet.

Ich stelle dir hier typische Zeigerpflanzen des Vorfrühlings vor, die man in der Bundesrepublik Deutschland finden kann.

Schneeglöckchen (Gattung: Galanthus)

Beginnt das Schneeglöckchen zu blühen, haben wir Vorfrühling.

Sie gehören der Gattung “Galanthus” an. Der botanische Name stammt aus dem Griechischen “gala”, das “Milch” und “anthos” das Blüte bedeutet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die typische weiße Blütenfarbe, die bei allen vorkommenden Arten auftritt.

Schneeglöckchen

Bereits im Spätwinter können diese Pflanzen in Form von üppigen Blütenteppichen oder vereinzelten Blumen über der tauenden Schneedecke beobachtet werden. Die Triebspitzen erzeugen beim Wachsen Wärme und können sogar Schnee zum Schmelzen bringen. In Frankreich werden daher Schneeglöckchen “perce-neige” (deutsch: “Schneedurchbohrer”) genannt.

Beobachtungstipps

  • Schneeglöckchen gehören zu den allerersten blühenden Pflanzen des Jahres – also Augen auf im Januar und Februar nach denn ersten grünen Trieben
  • gedeihen am liebsten auf lockeren humusreichen Boden am Waldesrand, im Schutz unter hohen Laubbäumen sowie zwischen Sträuchern im Halbschatten
  • steht unter Naturschutz, weil in freier Natur nur selten vorkommt.
  • Vorsicht! Alle Pflanzenteile sind giftig

Winterling (Eranthis hyemalis)

Eine Pflanze, die doch neben dem Weiß der Schneeglöckchen die erste Farbe in den Frühling bringt. Wie auch beim Schneeglöckchen ist der botanische Gattungsname des Winterling aus dem griechischen entnommen. Das Wort “er” bedeutet “Frühling” und “anthos” steht für “Blüte” (zum Vergleich: s. o. Schneeglöckchen)

Winterling

Er wird gerne in Gärten und Parks angepflanzt. Oft lässt man diesen auch verwildern, weil er ganze Blütenteppiche bilden kann, was nach den langen dunklen grauen Wintertagen ein Wohltat für das Auge sein kann.

Beobachtungstipps

  • Der Winterling führt als eine der ersten Pflanzen im Jahr Pollen und Nektar; bei Wintertagen über 10 °C kann man hier bereits die ersten Bienen beobachten
  • wachsen auf humusreichen Böden unter Bäumen und Sträuchern
  • bevorzugen sonnige bis halbschattige Stellen
  • oft verwilderte Blütenteppiche in Laubwäldern, eher selten als einzelne Blütenstände
  • wachsen auch auf sandigen Böden, sofern diese nicht zu trocken sind
  • Vorsicht! Alle Pflanzenteile sind giftig!

Hasel (Gattung Corylus)

Neben Blütenpflanzen könne auch Sträucher phänologische “Zeigerpflanzen” sein. Hierzu zählt die Gattung Corylus – auch als Haselnuss oder Haselnussstrauch bekannt.

Die Haselnüsse gehören wohl zu den bekanntesten Teilen des Haselnusstrauches. Bereits seit dem Mittelalter werden Haselnüsse kultiviert. Jedoch sind die Nüsse nicht das Merkmal dieser Zeigerpflanze, sondern seine männlichen Blütenstände (sog. “Kätzchen”).

Blühen diese, ist der Vorfrühling da. Allerdings kann das “Stäuben” der männlichen Kätzchen für viele Allergiker bereits im Januar ein Problem werden.

Beobachtungstipps

  • Sie wachsen in lichten Wäldern, an Waldrändern und Feldhecken, sind aber auch in Parks und bei Wohnanlagen häufig zu finden
  • Allergiker vorsicht! Die männlichen Blütenstände können bereits im Januar / Februar stäuben
  • Die Hasel bevorzugt sonnige Plätze, bei schattigen Orten fällt eine Haselnuss-Ernte eher spärlich aus
  • Sie mögen eine tiefgründige, humushaltige und mäßig feuchte Erde

Märzenbecher (Leucojum vernum)

Auf dem ersten Blick kann man den Märzenbecher mit dem Schneeglöckchen verwechseln. Unterscheiden kann man sie jedoch an den gelbgrün gefärbten Blütenspitzen, die Schneeglöckchen nicht aufweisen. Zudem sind die Blüten größer, als die des Schneeglöckchen.

Märzenbecher

Märzenbecher sind streng geschützte Pflanzen und sollten daher in der Natur nicht gepflückt werden. Ursprünglich kommt diese Pflanze aus dem süd- und osteuropäischen Raum.

Beobachtungstipps

  • Märzenbecher wachsen bei halbschattigen Standorten mit feuchten aber durchlässigen Boden
  • bevorzugt feuchte Laubwälder und Feuchtwiesen
  • wächst auch  an Bach- und Teichufern, verträgt sogar ein Zeit lang Überschwemmungen

Quellen und lesenswerte Links


Hast du schon die ersten Zeigerpflanzen des Vorfrühlings entdeckt? Wo hast du sie entdeckt? Kennst du noch weitere Zeigerpflanzen des Vorfrühlings? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo, ich bin die Zoe und liebe es in der Natur zu sein. Wandern ermöglicht mir die Schönheit der Natur in ihrer vielfältigen Form zu erfahren. Was ich dann so auf meinen Wanderntouren entdecke schreibe ich hier auf dem Blog. Neugierig? Na, dann komm doch mit. Natur beisst nicht!